Kennen Sie diese Momente, wenn die oder der Vortragende das erste Mal den Mund öffnet, und Sie denken: „Oh je! Das wird anstrengend!“? Und wieder einmal bestätigt finden: Der Ton macht die Musik. Ganz besonders gilt das für wichtige Vorträge und Präsentationen. Deshalb heißt es heute: Stimme trainieren! Schließlich sind es die Stimme und der Tonfall, die das Ohr öffnen – oder verschließen. Denn sonst verpuffen selbst die besten Ideen, die wirksamsten Lösungen, die besten Produkte. „Wer das Ohr beleidigt, dringt nicht zur Seele vor!“ sagte schon Quintilian, der römische Lehrer der Beredsamkeit.

Doch wie klingt die ideale Stimme, die all Ihre Zuhörer in den Bann schlägt? Sie ahnen es schon: Mit dem bloßen Ablesen einiger Dutzend PowerPoint-Folien ist es nicht getan. Wenn Ihre Vorbereitung nur im Perfektionieren der Grafiken und im Einüben der Folienwechsel besteht, werden Sie nicht viel erreichen.
Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie mühelos Ihre Stimme trainieren. Denn Ihre Stimme fit zu machen für Vorträge und Präsentationen ist viel einfacher, als Sie vielleicht denken. Und es bringt Ihnen im Handumdrehen mehr Souveränität und Sicherheit – und mehr Freude: Ihnen beim Vortragen und Ihren Teilnehmern beim begeisterten Zuhören.

Stimme trainieren für Vortrag und Präsentation

Stimme trainieren: Welche Fehler Sie auf alle Fälle vermeiden sollten

Wenn Sie an all die Stimmen denken, die Sie täglich erleben, was sind denn für Sie die nervendsten No-Go’s bezüglich Stimme und Sprechweise? Vortragende, für die Stimme trainieren eine völlig unbekannte Größe ist, lassen meist eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten hören, die mit wenig Aufwand in einen überzeugenden Vortragsstil zu verwandeln wäre.

Was ist Ihre Fehler-Hitliste?

  • Eine Umfrage über das Netzwerk Xing ergab eine klare „Hitliste“:
  • Zu schnell und zu undeutlich sprechen
  • Keine Pausen beim Reden machen
  • Zu hohe oder quäkende Stimme

Was diese Fehler bewirken

Bedenken Sie bitte: Nicht alle Ihrer Zuhörer fiebern Ihrer nächsten Präsentation neugierig und freudig entgegen. Die Realität im Berufsalltag sieht heute meist ganz anders aus. Sitzung reiht sich an Sitzung, eine Präsentation jagt die nächste. Niemand denkt daran die Stimme zu trainieren. Wenn Sie mit Ihrem Bericht, Ihrem Produkt oder Ihrem Vorschlag durchdringen wollen, braucht es mehr als bunte Folien und ein designtes Handout. Ihre Überzeugungskraft ist gefragt, Ihre stimmliche und sprachliche Eloquenz.

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Nuscheln strengt an

Ihre Zuhörer wollen es leicht, einfach und bequem haben. Undeutliche Aussprache ermüdet beim Zuhören enorm. Sorgen Sie deshalb für klare Artikulation und verständliche Aussprache

Ohne Sprechpausen kein Ergebnis

Je mehr Details Sie in Ihren Vortrag packen wollen, desto eher wirken Sie gehetzt und sprechen zu schnell. Bedenken Sie, dass es zwar ohne weiteres möglich ist, sehr schnell gesprochene Worte zu verstehen, dass es jedoch Sprechpausen braucht, damit im Kopf Ihrer Zuhörer eigene Assoziationen, Schlussfolgerungen und das nötige Verständnis reifen können.

Zu hohe Stimme schlägt Ihr Publikum in die Flucht

Zu hohe Stimmen wirken schnell unpersönlich und lösen im schlimmsten Fall eine physische Alarmreaktion aus. Bemerkbar ist das an unruhigen Bewegungen im Publikum, Ihre Zuhörer fühlen sich körperlich unbehaglich. Keine gute Voraussetzung für gute Ergebnisse und einvernehmliche Lösungen.

So geht Stimme trainieren für Vorträge und Präsentationen

1. Mit Körperlust zu klarer Artikulation

Sprechprofis wissen: Wer Stimmklang und Sprechweise immer weiter verbessern will, braucht zwei innerliche „Messinstrumente“, um den Grad der Verbesserung auch feststellen zu können. Naheliegender weise ist eines davon das Gehör. Wer die verschiedenen Nuancen der Stimme nicht unterscheiden kann, erkennt Stimmungen bei anderen zu spät – kann aber auch die eigene Stimme nicht aktiv beeinflussen. Die meisten meiner Klienten sind aber überrascht, wenn sie erkennen, wie wesentlich die Körperempfindung ist, das aktive Erleben und Spüren von Bewegungen und Spannung, wenn es heißt: Stimme trainieren für Vorträge und Präsentationen! Die nachfolgenden Übungen tun jeweils beides: sie verbessern die Ausdrucks- und Überzeugungskraft Ihrer Stimme und trainieren Ihre Selbstwahrnehmung.

Aktivieren Sie 10 Sekunden lang Ihre Zunge

Wenn Sie gut verstanden werden wollen, rückt Ihre Zunge als Ihr wichtigster Artikulationsmuskel ins Rampenlicht. Je beweglicher die Zunge, desto schneller kann sie von einem Laut zum anderen flitzen. Da sich Muskeln gerne verkürzen, wenn Sie nicht ab und zu an ihre Grenzen geführt werden, dehnen Sie Ihren Zungenmuskel mit diesen zwei einfachen Übungen:

  • Zungenkreisen: Inspizieren Sie lautlos mit Ihrer Zungenspitze Ihre obere oder untere Zahnreise. Tasten Sie jeden Millimeter akribisch ab. Sie erreichen gar nicht ohne weiteres jeden Zahnzwischenraum? Gut so! Ihre Zunge soll sich nur gut anstrengen dabei! (Diese Aufwärmübung können Sie selbst dann machen, wenn Sie schon auf Ihren Auftritt machen!)
  • Zunge zeigen: Strecken Sie Ihre Zunge so weit heraus als möglich und vollführen Sie exaltierte Bewegungen – versuchen Sie, mit Ihrer Zunge die Nasenspitze oder Ihr Kinn zu erreichen.

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Mit Kussmund zur besseren Aussprache

Immer wieder ist unter dem Titel „Stimme trainieren“ zu lesen, man müsse den Mund beim Sprechen weiter öffnen, um besser verstanden zu werden. Die Erfahrung zeigt, das das nicht so einfach ist, denn unser Kaumuskel (ein präziser Stress-Anzeiger) und die Spannung unserer Lippen haben da etwas dagegen und halten den Mund vorsichtshalber eher geschlossen.

Mit folgenden einfachen Übungen verführend Sie Kiefer und Lippen zu mehr Spaß am Sprechen:

  • Lippenflattern: Schnauben Sie herzhaft wie ein Pferd, einmal stimmlos – und dann gleich noch einmal mit Ton.
  • Kiefer und Lippen ausschütteln: Lassen Sie ganz bewusst den Unterkiefer los und schütteln Sie dann den Kopf so, dass Ihre Wangen und Ihr Kiefer möglichst frei von links nach rechts fliegen.
  • Küsschen und Breitmaulfrosch: Wie beweglich ist Ihre Mimik? Wer mit Pokerface spricht, klingt meist auch so. Bewegen Sie also Ihre Mimikmuskeln einmal ordentlich durch: Schützen Sie Ihre Lippen zu einem Kussmund, übertreiben Sie dabei nach Lust und Laune. Ziehen Sie dann anschließend Ihre Mundwinkel nach außen, als wollten Sie dabei die Ohren berühren. Und gleich noch einmal zum Kussmund und retour. Verstärken Sie dabei die Wirkung, indem Sie Ihren Mund mit einem kräftigen „mööö“ schürzen – um dann mit einem übertriebenen „määäää“ einen Breitmaulfrosch zu imitieren.

2. In 60 Sekunden zur vollen, voluminösen Stimme

Stimme trainieren – dahinter vermuten viele Menschen langwierige und anspruchsvolle Akrobatik der Stimmbänder. Zu mehr Stimmvolumen und Ausdruckskraft gelangen Sie jedoch nur, wenn Sie Ihren ganzen Körper als Instrument betrachten, von Kopf (Artikulation) über Gestik (verantwortlich für abwechslungsreiche Sprechweise) bis zu Ihren Füßen (die repräsentieren Ihren Standpunkt).

Wie auch im Sport will Ihr Instrument Körper vor dem Leistungseinsatz kurz vorbereitet und aufgewärmt werden. Das dauert nicht lange und bringt überraschende Verbesserungen.

Durch Beweglichkeit zu mehr Stimmvolumen

Stimm- und Sprechprofis wissen: Die Stimme ist hörbare Körpersprache. Mit anderen Worten: Stimme trainieren heißt immer, den Körper aktivieren. Wie Sie stehen und wie Sie gestikulieren, so klingen Sie. Aktivieren Sie deshalb vor jedem Auftritt Ihre Körperwahrnehmung und Ihren Muskeltonus durch einige wenige kurze Übungen. Sie stärken dadurch ganz nebenbei Ihre Ausstrahlung und Ihre körperliche Präsenz im Raum.

  • Durchschütteln: Beginnen Sie am Stand zu laufen, lassen Sie jedoch dabei Arme und Schultern bewusst hängen. Ihre Schultern hüpfen dadurch wahrscheinlich leicht auf und ab. Stärken Sie nun Ihr Stimmbewusstsein, indem Sie ein entspanntes „aaaaaaa“ hören lassen. Verändert sich der Ton mit jeder Bewegung? Nun verlagern Sie während Ihres Laufens am Stand Ihren Schwerpunkt etwas nach vor. Hören Sie, wie Ihre Stimme nun kräftiger wird?
  • Schultern kreisen: So wärmen Sie Ihren gestischem Aktionsradius auf. Zuerst mit hängenden Armen die Schultern kreisen lassen, dann lassen Sie Ihre Arme rechts und links wie Windmühlenflügel kreisen. Je gelöster Ihre Schultern und je beweglicher Ihre Ellbogen beim Sprechen sind, desto angenehmer moduliert Ihre Stimme auf und ab. So sprechen Sie melodiös und wecken Sie ganz ohne Aufwand immer wieder die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer.
  • Luftkugel kauen: Schließen Sie Ihre Lippen leicht und plustern Sie Ihre Backen auf, während Sie ein langgezogenes „mmmm“ intonieren. Nun beginnen Sie, mit weiterhin aufgeblähten Backen auf diesem „m“ herumzukauen, als wäre es eine große Luftkugel, die Sie ihrem Mund eingeschlossen halten. Wenn es Ihnen dann noch gelingt, das Gefühl zu erzeugen, als wollten Sie gähnen (was den Zungengrund absenkt), gehören Sie frank und frei zu den Fortgeschrittenen. Im Fachjargon wird diese Basis-Stimmübung „Kauphonation“ genannt und fehlt in keinem Profi-Aufwärmprogramm, da sie mit ganz wenig Aufwand die Klangfülle der Stimme deutlich erhöht.

Herzlich Ihr

Arno Fischbacher

 

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Video „Mehr Kraft in der Stimme, so geht’s!“ auf Youtube anschauen

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