Ich war echt verblüfft, als ich sah, wie mein Schweizer Kollege Jörg Eugster am letzten Donnerstag in Graz Richtung Bühne ging. Er stand so wie ich auf der Rednerliste der „Langen Nacht der Inspiration“, einer wunderbaren Veranstaltung, konzipiert von Magda Bleckmann. Zehn Redner mit jeweils zehnminütigen Impulsvorträgen sollten das Publikum begeistern.

Die gut gelaunten Gäste saß schon neugierig auf ihren Stühlen. Ich sah Jörg den schmalen Gang entlang in Richtung Bühne gehen, er richtete sich noch rasch das Headset-Mikrofon zurecht – und dann geschah es. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, begann er sein „Stimme fit!“-Programm mit Wangen ausschütteln und dabei eigenartige Töne von sich geben. Die allerdings wurden vom Stimmengewirr des Publikums verschluckt. Alles in Allem ein göttlicher Anblick (im Video zeige ich Ihnen, was er konkret gemacht hat).

Stimme fit? Profis wärmen ihre Stimme auf. Vor allen wichtigen Auftritten, vor allen entscheidenden Gesprächen und Telefonaten. Wie wenig Zeit das in Anspruch nimmt und wie einfach das geht, zeige ich Ihnen im aktuellen Video „Stimme fit für Deinen Auftritt? (3 Übungen)“.

 

So machen Sie Ihre Stimme fit!

Sie kennen das wahrscheinlich, sobald man vor Publikum spricht, entsteht diese gewisse Anspannung, aller guter Vorbereitung zum Trotz. Wie gelingt es, dennoch mit voller, satter und tiefer Stimme zu sprechen?

Mit meinem Kollegen Jörg habe ich beim Imbiss nach der Veranstaltung herzhaft über diesen kurzen „Stimme fit!“-Moment gelacht. Jörg hatte vor einiger Zeit im Rahmen des Club 55 ein Seminar bei mir besucht und danach beschlossen, vor jedem Auftritt gezielt bestimmte Aufwärmübungen zu machen. Und in Graz ließ er sich nicht einmal vom anwesenden Publikum davon abhalten. So wie er war, bereits „verkabelt“, das Headset um die Ohren, sah ich ihn in Richtung Auftritt gehen mit dieser wunderbaren Aufwärmübung:

„Stimme fit!“ Nr. 1: Wangen lustvoll ausschütteln

Ist Ihnen bewusst, wo die aufkommende Spannung sich am stärksten niederschlägt? Neben den Schultern und Ihrem Nacken sind es vor allem Ihre Mimik und Ihre Kaumuskeln. Das schränkt Ihre Ausstrahlung und Ihre Sprechweise ein. Diese einfache Aufwärmübung löst diese Spannungen im Nu und machen Ihre Stimme fit:

  • Sie stehen aufrecht, machen sich innerlich groß
  • Lassen Sie ganz bewusst alle Muskeln im Gesicht schwer werden. Da das nicht ganz so einfach ist, nützen Sie eine einfache Imagination, ich nenne sie „mentalen Alkohol“. Vielleicht ahnen Sie schon, um was es geht. Stellen Sie sich vor, Sie hätten bereits mehrere Schnäpse intus und würden nun mit Schrecken bemerken, wie Ihr Gesicht langsam entgleist (Wirkt übrigens auch, wenn Sie im wahren Leben keinen Tropfen Alkohol anrühren!)
  • Schwenken Sie nun ganz rasch Ihr Gesicht von links nach rechts und zurück, bis Sie bemerken, wie Ihre Wangen und Lippen frei „flattern“

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„Stimme fit!“ Nr. 2: Luftkugel kauen

Sein Schnäuzchen aufzuwärmen und die Wangen und vor allem seine Kaumuskeln zu lockern, das hatte Jörg Eugster vor seinem Auftritt als letztes getan. Meiner Empfehlung folgend startet auch er mit einer ganz unscheinbaren und dennoch unverzichtbaren „Stimme fit!“-Aufwärmübung:

  • Sie summen und stellen sich vor, Sie hätten eine große, weiche Kugel aus Luft im Mund, auf der Sie nun lustvoll herumkauen.
  • Sie plustern dabei Ihre Wangen möglichst auf und lassen die geschlossenen Lippen so locker als möglich.
  • Achten Sie nun darauf, wie sich der Raum in Ihrem Mund und Ihrem Rachen langsam weitet.

Der wichtigste Effekt dieser Übung ist, dass sich dadurch nicht nur die Muskeln in Mund und Rachen lösen. Der Kehlkopf und die Stimmlippen lassen los – was Ihre Stimme im Moment tiefer, voller und entspannter klingen lässt. Gleichzeitig wärmen Sie Ihre Artikulation auf.

„Stimme fit!“ Nr. 3: Motorradfahren

Wie Sie sicher bemerken, sind diese Aufwärmübungen ausgesprochen rasch erledigt. Sie dauern ein paar Sekunden, das gilt auch für die dritte Übung, das „Motorradfahren“. Auch hier geht es wieder um das Loslassen im Kehlkopf und um das Aufwärmen Ihrer Artikulations-Muskulatur.

  • Sie stellen sich vor, Sie hätten ein chromglänzendes, schweres Motorrad unter Ihrem Allerwertesten.
  • Der Motor wäre bereits gestartet, und nun geben Sie Gas und fahren los! „Bruumm, bruummm!“

Persönliche Empfehlung dazu: Wenn Sie bei diesen „Stimme fit!“-Übungen auf Ihre Gestik verzichten, nutzen Sie nur einen geringen Teil der Wirkung. Lassen Sie also Ihrer Fantasie freien Lauf und ziehen Sie den Motor mal richtig hoch, um gleich darauf nur mit Standgas zu fahren: „Brumm, brmmm, brmmm!“

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Profis gehen nie kalt an den Start

Machen Sie es wie die Profis im Sport. Nutzen Sie diese drei einfachen, kurzen „Stimme fit!“-Warming Ups, wann immer Sie vor einer Präsentation stehen, wann immer Sie sich auf einen Auftritt vorbereiten oder wann immer Sie vor sich ein entscheidend wichtiges Gespräch haben. Verzichten Sie nie auf die Gelegenheit, sich vorher stimmlich aufzuwärmen.

Volle Stimme als logischer Nutzen

Sie wollen Ihre Gesprächspartner mit Ihren Inhalten überzeugen? Denken Sie immer daran, Ihre Stimme und Sprechweise öffnen die Ohren Ihrer Zuhörer – oder schließen Sie. Der Ton macht die Musik. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihren guten Klang. Ihre Belohnung wird ein überzeugender Auftritt und die lächelnden Gesichter Ihrer Zuhörer sein.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei all Ihren Gesprächen, bei all Ihren Präsentationen. Sie wissen ja sicher bereits:

Ihre Stimme wirkt. Voice sells!

Herzlich Ihr

Arno Fischbacher

 

 

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