Zum Telefon gegriffen und seinen ersten Coachingtermin vereinbart hatte Ing. Metzinger* spontan nach der Rückkehr von seiner Reise zur Konzernzentrale in Amsterdam. „Smalltalk lernen und anwenden“ war sein Anliegen. Als technischer Leiter der Produktion in Österreich hatte er im obligatorischen Führungskräftemeeting routiniert die aktuellen Zahlen berichtet. Wenn es um seine Fachthemen geht, war er voll in seinem Element. Doch am Abend, beim gesetzten Dinner mit der Eigentümerfamilie, erlebte er sein Waterloo.

Seinen eleganten dunklen Anzug hatte er ja eingepackt, die Krawatte ebenso – doch dass er an der langen, edel gedeckten Tafel ausgerechnet gegenüber der Gattin seines Vorgesetzten zu sitzen kam, hatte er nicht vorausgesehen. Von beiden Seiten versuchten sie mehrmals zaghaft, ein Gespräch in Gang zu bringen, doch vergebens: Er, der über seine Technikthemen stundenlang mit heißem Kopf diskutieren konnten, sah die Gesprächsfäden nach wenigen Worten immer wieder im Sand verlaufen. Er scheiterte kläglich am Smalltalk.

Smalltalk beim Dinner, für viele eine Herausforderung

Lesen Sie in diesem Beitrag drei einfach anwendbare, sofort praktisch umsetzbare Tipps, wie Sie in den vielen wichtigen Situationen des Alltags schneller Kontakt knüpfen und leichter ins Gespräch finden. Smalltalk lernen und anwenden – ohne Mühe!

Weshalb es lohnt, unerwarteten Smalltalk zu meistern

Im Beruf sind es oft Veranstaltungen, Messen oder Kundenevents, bei denen es so nützlich wäre, mit wichtigen Personen ins Gespräch zu kommen. In vielen Ländern ist es bei der Geschäftsanbahnung verpönt, gleich übers Business zu sprechen – da öffnet erst das „kleine Gespräch“, der Smalltalk, die Türen zum eigentlichen Geschäft. Doch auch im privaten Leben kann es ohne diese feine Fähigkeit zum Anknüpfen von Gesprächen schon recht mühsam sein, wenn man bei Familientreffen wortkarg am Rande steht oder sich schwertut, mit den Schwiegereltern über Belangloses zu plaudern.

Was Smalltalk lernen manchmal schwer macht

Vielleicht kennen Sie das Gefühl, wenn Sie bei einer Veranstaltung neben jemandem zu stehen kommen und plötzlich dieses beklemmende Gefühl auftaucht: „Ohje, jetzt müsste ich wohl mal etwas sagen!“ Und schon entsteht dieses kleine Unwohlsein, dieser kleine innere Druck, der doppelt unmöglich macht, den ersten Schritt zur Entkrampfung der Situation zu tun.

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Was diese kleine Unsicherheit auslösen kann

Spannung durch Schweigen: In der sogenannten „schwarzen Rhetorik“ wird sie als Druckmittel eingesetzt, in der alltäglichen Kommunikation kann sie sehr laut schreien – die Stille. Nichts zu sagen und stumm zu sein neben einem anderen Menschen kann starke Spannung aufbauen. Und die hindert oft daran, locker und ungezwungen zu plaudern.

Unsicherheit durch vermutete Erwartungen: Vielleicht kennen Sie das aus ganz banalen Alltagssituationen, etwa, wenn Sie ein Café betreten. Selbst wenn Sie dann gleich zielgerichtet Ihren Weg zum eine freien Tisch fortsetzen – für einen kurzen Moment sind die Augen auf Sie gerichtet und es entsteht diese Erwartungsspannung: Wie nehmen mich die anderen wahr? Welche Erwartung haben sie wohl an mich? Daraus entsteht ein gewisser Handlungsdruck, der sich im Café wohl durch einen energischen Schritt in Richtung Sitzplatz entlädt. Findet die Szene jedoch bei einer Veranstaltung statt, bei der Sie die Tür zu einem gut gefüllten Raum betreten, welchen Weg schlagen Sie dann ein? Den zu einer Gruppe Ihnen unbekannter Menschen? Oder doch den sicheren Pfad in eine Ecke, in der Sie sich zuerst einmal akklimatisieren können?

Jemandem vorgestellt werden: Ein Kollege oder Freund meint es gut mit Ihnen und stellt Ihnen eine(n) der Anwesenden vor. Ein kurzer Händedruck, ein „Hallo!“ oder „Guten Tag!“ und bald erstirbt die Unterhaltung. Zum Schweigen (siehe oben) kommt hier noch ein unbedachtes Hemmnis hinzu: Wenn Menschen einander gegenüber stehen, entsteht ungewollt eine große Erwartungsspannung, ganz so, als wolle man etwas vom Gegenüber. Was beim Präsentieren ausgesprochen nützlich ist und Aufmerksamkeit schafft, oder beim Delegieren einer Aufgabe den Nachdruck verstärkt, verursacht hier manchmal eher einen Moment der Unbeholfenheit, des Verlegenseins.

Video: Ein Erlebnis beim Einkaufen am frühen Morgen wies mir den Weg zu den Erkenntnissen der Räumlichen Psychologie und zum Prinzip Schulterschluss. Doch sehen Sie selbst …

Wie die Stimme Unsicherheit verstärkt

Was immer Sie sagen, Ihre Stimme drückt Ihre momentane Befindlichkeit aus, ob Sie wollen oder nicht. Die oben beschriebenen kleinen Unsicherheiten schleichen sich verräterisch in Ihren Stimmklang. Das wäre ja in den beschriebenen alltäglichen Momenten gar nicht weiter tragisch, würde die eigene Stimme nicht so stark auf einen selbst zurückwirken. Der eigene Ton wirkt als Stimmungsverstärker. Vielleicht erinnern Sie sich noch an jene Momente aus der Kindheit, als Sie im dunklen Keller laut gesprochen haben um die Sicherheit zurückzugewinnen? Hören Sie jedoch ein vorsichtiges Zögern in der eigenen Stimme, verstärkt das die Grundempfindung.

Die Stimme stellt soziale Weichen beim Netzwerken

Meistens ist uns nicht bewusst, welche Signale wir über unsere Stimme senden. Wie wir sprechen, hat jedoch einen ganz entscheidenden Einfluss darauf, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Unsere Stimme stellt die soziale Weiche: Denn was wir sagen, gibt über unsere Persönlichkeit Auskunft – es geht dabei also um persönliche Sympathie. Ob wir bei anderen gut ankommen oder eher weniger, welchen ersten Eindruck wir machen, wird also schon in dem Moment entschieden, sobald wir den Mund aufmachen.

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Die 4 Attribute der menschlichen Stimme

1. Das Dominanzattribut: Können wir Führung übernehmen? Können wir zu Wort kommen? Die Art und Weise, auf die wir etwas sagen, signalisiert, wie es zu verstehen ist und zeigt, ob wir zu dem stehen, was wir sagen. Sie drückt es aus durch Begeisterung, Kraft oder Antrieb im Ton.

2. Das Empathieattribut: Ist jemand oberflächlich oder nicht? Hat dieser Mensch Geschichte, und sich damit auseinandergesetzt? Hat er sich mit sich selbst beschäftigt? Wie sieht es aus mit Kritikfähigkeit? Das alles übermitteln wir durch Empathiesignale in unserem Ausdruck. Damit können wir anderen vermitteln, wie nahbar wir sind, ob man mit uns auch reden kann, ob wir über den Tellerrand hinausdenken, oder nicht.

3. Das Stressattribut: Anspannung wird hörbar! Weden wir nervös? Wenn wir gestresst sind, kommt es zu Spannungen im Körper, die sich natürlich auch in unserer Stimme zeigen – was der Situation meist nicht zuträglich ist. Stressituationen verändern die Stimme dramatisch und machen unsere Nervosität bemerkbar.

4. Das Beziehungsattribut: Eigentlich das „Killerattribut“, das zuallererst die Weiche stellt: Spricht man zu anderen als Person oder als Rolle? Unser Säugetiergehirn hat einen Schalter eingebaut, der uns automatisch vor unpersönlichen Ansprachen schützt. So empfinden wir sofort – denken Sie zum Beispiel an Werbeanrufe – wenn jemand durch seine Stimme bloß eine Rolle signalisiert: „Dem geht’s nicht um mich – der will was von mir!“ – sei es Zeit oder Geld – jedenfalls aber nicht mich als Person. Mit so jemandem wollen wir nichts zu tun haben, es kommt sofort unsympathisch rüber. Das Beziehungsattribut unterscheidet also dramatisch, ob man mit wem reden will oder nicht. Man hört, ob der andere bei uns ist oder eigentlich ganz andere Intentionen hat. Man hört, wenn wer im Kopf nicht bei uns ist.

Smalltalk lernen: So setzen Sie Ihre Körpersprache und Stimme bewusst ein

Die Stimme ist und bleibt ein Resultat vieler unterschiedlicher Faktoren, die wir teilweise auch gar nicht direkt beeinflussen können. Daher ist eines ganz gewiss: Faken bringt’s nicht! Wie aber können Sie dennoch leicht, mühelos und sicher zu einem entspannten Smalltalk finden?

Achten Sie als erstes auf Ihre Raumposition

Smalltalk lernen - Konfrontation

Ob beim obligatorischen Händeschütteln, oder selbst wenn Sie einen Raum betreten und auf jemanden zugehen:

In vielen ersten Momente des persönlichen Kontakts finden wir uns – ohne es zu wollen – frontal gegenüber unserer Bezugsperson. Einander zugewandt sein im Gespräch gilt als höflich und als ein Zeichen der Wertschätzung.

Soviel Gutes diese „konfrontative Position“ – wie sie in der räumlichen Psychologie genannt wird – auch haben mag, sie hat eine höchst delikate Kehrseite. Ohne es zu wollen entsteht durch dieses einander gegenüberstehen ein innere Druck zu handeln.

  • Einander gegenüber stehen wirkt auffordernd. Vielleicht kennen Sie das: Kaum haben Sie jemanden begrüßt, entsteht auch schon das Gefühl, als müsste man jetzt etwas sagen. Wie oft aber liegt uns jetzt gerade kein intelligenter Satz auf der Zunge! Macht nichts, eine Floskel geht immer … und schon sagen wir: „Wie geht’s?“ oder etwas ähnlich originelles. Die „Gegenüber-Position“ lässt in uns also Handlungsdruck entstehen. Was in vielen Situationen des Alltags ganz sinnvoll ist (etwa, wenn Sie auf jemanden zugehen, um nach einer Straße zu fragen), kehrt sich in Smalltalk-Momenten gegen uns und hemmt spontanes Handeln.
  • Frontal gestellt widerspiegelt sich die persönliche Wirkung zwischen Gesprächspartnern besonders stark. Mit anderen Worten: Wenn Sie sich in einem Smalltalk-Moment unbehaglich fühlen, bewirkt dass in Ihrem Gegenüber spiegelbildlich ebenfalls ein Gefühl des Unbehagens.
  • Die frontale Position verführt dazu, übereinander zu sprechen. Es ist kein Zufall, dass die sprichwörtliche Gesprächseröffnungs-Phrase „Wie geht’s?“ lautet. Sie sprechen über das, was Sie sehen. Der Blick definiert das Objekt des Gesprächs. Und das führt beim Smalltalk rasch zum Ersterben des Gesprächs – wie soll man über Persönliches sprechen, wenn man den oder die andere ja gerade erst kennen lernt?

Lesen Sie nun, wie Sie durch drei leicht veränderte Verhaltensweisen in Zukunft mühelos ins Gespräch kommen. Smalltalk lernen, indem Sie die unbewusste Macht von Körpersprache, Stimme und Sprache zu Ihrem Gewinn einsetzen.

Smalltalk lernen: In 3 Schritten zum entspannten Gespräch

Nein, mein erster Hinweis bezieht sich nicht auf das, was Sie am besten sagen sollen, um mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Wie in vielen anderen wichtigen Momenten der Kommunikation geht es nicht um das Reden, sondern um das – Zuhören. Daher empfehle ich Ihnen im …

Schritt 1: Wahrnehmen, worauf die Aufmerksamkeit Ihres Gegenüber gerichtet ist.

Fallen Sie jetzt nicht mit der Tür ins Haus. Sich jetzt gleich vorzustellen oder Ihren Gesprächspartner gleich nach seiner Meinung über den Vortrag zu fragen ist meist noch nicht passend. Beziehen Sie sich im ersten Schritt auf das, worauf ganz offensichtlich die Aufmerksamkeit Ihres Gegenüber gerade gerichtet war. In diesem konkreten Fall das Buffet, oder die wachsende Schlange an hungrigen Gästen vor dem Buffet.

Schritt 2: Wenden Sie sich nun jenem Punkt zu („Schulterschluss“).

Smalltalk lernen - Schulterschluss

Nehmen wir einmal an, der Vortrag einer gut besuchten Veranstaltung ist gerade zu Ende gegangen, Sie und die anderen Gäste strömen zum Buffet. Mit Ihrem Teller in der Hand finden Sie an einem Stehtisch Platz. Ihr Gegenüber stellt ebenfalls gerade Glas und Teller ab.

Drehen Sie sich körperlich in jene Richtung, in der die Aufmerksamkeit Ihres Gegenüber eben noch lag (Blick auf die Gästeschlange vor dem Buffet). Schmunzeln Sie ruhig angesichts der wachsenden Wartezeit und lächeln Sie Ihrem Gegenüber zu. Sie haben nun Kontakt aufgenommen, ohne auch nur ein Wort zu sagen und dabei das „magische Dreieck“ inszeniert zwischen zwei Gesprächspartnern und einem Objekt.

Schritt 3: Sagen Sie ein paar Worte zum beobachteten Geschehen

Vielleicht nehmen Sie jetzt bereits wahr, wie der anfängliche innere Druck, möglichst rasch ins Gespräch zu kommen, durch die körperliche Wendung in den Schulterschluss verfliegt und einer angenehmen Gelassenheit weicht.

Smalltalk lernen - Handschlag

Es gibt nun auch plötzlich keine Veranlassung, übereinander zu sprechen – das „magische Dreieck“ bietet einen perfekten Anknüpfungspunkt für ein paar launige Worte über das tolle Catering, über Menschenschlangen oder die Schlacht am kalten Buffet. Das Eis ist gebrochen. Der anfängliche Druck, ein paar intelligente Worte zu sagen, ist wie weggeblasen.

Jetzt frühestens ist die Gelegenheit, Ihrem Gegenüber spontan die Hand entgegenzustrecken und sich mit Vor- und Nachnamen vorzustellen. Sicher haben Sie es bemerkt, jetzt stehen Sie einander wieder frontal gegenüber – die räumliche Psychologie kennt nur diese zwei räumlichen Beziehungsformen zwischen Menschen in der Kommunikation: Den Schulterschluss oder die frontale Gesprächsposition.

Smalltalk lernen: So erkennen Sie Ihren Benefit im Alltag

Gesprächseinstieg: Drehen Sie eine kommunikative „Aufwärmrunde“, bevor Sie zum eigentlichen Thema kommen. Nehmen Sie Details des Büros wahr, ein originelles Plakat an der Wand oder den Zeitungsartikel, der aufgeschlagen am Schreibtisch liegt. Nicken Sie interessiert und wertschätzend in die Richtung dieses Details. Warten Sie auf die Reaktion Ihres Gesprächspartners. Genießen Sie, wenn sich daraus ein kurzer Smalltalk ergibt.

Verkauf: Achten Sie darauf, wie entspannt und persönlich Ihre Stimme klingt, wenn Sie aus dem Schulterschluss heraus mit Ihrem Kunden über gerade wahrgenommene jene Details plaudern. Dadurch entgehen Sie der Falle, dass die Stimme oft sehr unpersönlich und „geschäftlich“ klingt, wenn Sie ohne Aufwärmrunde gleich zur Sache kommen.

Feedback geben: Vermeiden Sie, aus der konfrontativen Position heraus Feedback zu geben, denn so provozieren Sie unnötige Rechtfertigungen. Betrachten Sie aus dem Schulterschluss heraus die Sache, zu der Sie Ihre Beobachtung beisteuern wollen und fragen Sie Ihren Gesprächspartner zuerst nach seiner Wahrnehmung.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim entspannten Smalltalk und bin gespannt auf Ihre Gedanken und Kommentare!

Herzlich Ihr

Arno Fischbacher

Illustrationen aus: Arno Fischbacher, Voice sells, die Macht der Stimme im Business, GABAL
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