VortragsstimmeFür alle drei Tipps gilt: Erproben Sie die Aufwärmübungen für Ihre Rednerstimme im geschützten Rahmen, bevor Sie sie unter Wettkampfbedingungen einsetzen. Suchen Sie einen geschützten Rahmen, achten Sie darauf, dass Sie absolut ungestört sind. Aktivieren Sie ganz bewusst Gehör und Körperwahrnehmung. Beide Sinne sind der Schlüssel zur Weiterentwicklung und Entfaltung Ihrer Stimme. Zeitbedarf insgesamt ca. 3 Minuten.

1. Aktivieren Sie Ihren Gestik-Raum
Nur zehn Sekunden genügen: Strecken Sie Ihre Hände und Arme zur Seite, nutzen Sie in bedächtigen großen Bewegungen Ihren gesamten Bewegungsradius der Arme. Bewegen Sie sich langsam, wie in Zeitlupe. Lassen Sie langsam Ihre Bewegungen immer größer und ausladender werden. Genießen Sie das Gefühl der Befreiung und die Weite des Raums. Achten Sie ganz besonders auf die Beweglichkeit Ihrer Ellbogen: Der sogenannte “Ellbogenradius” bestimmt, wie flüssig und authentisch Ihre Gesten wirken. Liegen beim Sprechen die Oberarme eng am Körper an, signalisiert das Schutzbedürfnis. Gleichzeitig klingt Ihre Stimme weniger bewegt und moduliert. Wenn die Schultern hingegen loslassen und die Gesten an Raum gewinnen, entfaltet sich der Klang Ihrer Stimme, Sie klingen deutlich unmittelbarer und lebendiger. Das angenehme Auf und Ab Ihrer Stimme (die Modulation) nimmt deutlich zu. Sie sprechen dadurch um ein Vielfaches lebendiger.

2. Lockern Sie Ihren Stimmsitz

Wenn die ersten erlösenden Reaktionen des Publikums kommen, lässt die Nervosität im Vortrag ja meist deutlich nach. Davor aber klingen die so wichtigen ersten Sätze oft unpersönlich, zu hoch und dünn. Der Auftrittsstress aktiviert alte Verteidigungsmuster – die erhöhte Körperspannung in den Schultern und im Nacken soll Schutz bieten, bewirkt aber, dass die feinen Stimm-Muskeln im Kehlkopf hörbar mitspannen. Mit der folgenden 20-Sekunden-Aufwärmübung verscheuchen Sie muskulären Stress, bringen die Atemmuskeln auf Arbeitstemperatur und können vielleicht sogar herzhaft über sich selber lachen.

Beginnen Sie in einem gemütlichen Tempo am Stand zu laufen. Bleiben Sie aufrecht im Oberkörper und lassen Sie dabei die Schultern hängen. Stoßen Sie sich bei jedem Schritt federn vom Boden ab. Durch diese Auf- und Ab-Bewegung des Körpers erhalten Ihre Arme und Schultern immer wieder kurze Impulse. Das löst ganz rasch Stress-Spannungen, Ihre Schultern werden immer freier auf- und ab hüpfen.

Sollten Sie das Gefühl haben, Ihre Schultern bleiben trotzdem eher unbeweglich, nutzen Sie folgenden Trick. Ziehen Sie Ihre Schultern absichtlich ganz nach oben. Während Sie nun weiter am Stand laufen, erlauben Sie Ihren Schultern, ganz langsam nach unten zu sinken. Sie werden spüren, wie Ihre Schultern schwerer und schwerer werden und dadurch ganz loslassen.

Erzeugen Sie währenddessen mit Ihrer Stimme einen unartikulierten Ton: „aaaaaaaa“. Horchen Sie auf das An- und Abschwellen des Tones. Erforschen Sie, um wieviel Ihre Stimme voller und tiefer klingt, wenn die Spannung nachlässt.

Mit dieser Übung entspannen Sie alls Stimm-Muskeln, lösen Auftrittsstress und aktivieren gleichzeitig Ihre Atemmuskeln.

3. Zwerchfell aktivieren durch “Hummelflug”
Einfach, aber effektiv: Lassen Sie akustisch eine dicke Hummel von ihrem Rastplatz auffliegen und eine kurze Ehrenrunde drehen: “Wwwwww!” Sie artikulieren dabei also ein stimmhaftes „w“. Werden Sie dabei lauter und leiser, stellen Sie sich vor, wie die Hummel ihre Kreise zieht. Noch einfacher und spaßvoller wird die Übung, wenn Sie Ihren Zeigefinger für einen kurzen Moment zur Hummel werden lassen und ihm stimmlich mit dem “Wwwww!” folgen. Die verblüffende Wirkung dieser Sekundenübung erklärt sich aus dem motorisch fein abgestimmten Zusammenspiel der Lippen und der Zwerchfell-Muskeln. Ihre Stimme klingt sofort voller, Sie sprechen artikulierter, mit weniger Druck.

Genießen Sie nun, wenn Ihre Stimme vom ersten Wort klar und verständlich klingt und bis zum letzten Wort durchhält, ohne an Kraft zu verlieren!