Es war der peinlichste Moment meiner beginnenden Trainerlaufbahn. Schon während der Morgenstunden des Seminars hatte meine Stimme kratzig geklungen. Immer wenn ich versuchte, laute zu sprechen, blieb kurz der Ton weg. Selbstbewusst hatte ich versucht, das zu überspielen. Doch nach der Mittagspause war klar: Dieses Seminar kann ich nicht zu Ende führen. Der Stimmcoach ist heiser.

Kraftvolle Stimme im Winter

Die Wintersonne spiegelte sich hell auf den Flipchart-Blättern an der Pinnwand. Meine Teilnehmer hatten gerade wieder im Halbkreis Platz auf ihren Stühlen Platz genommen und blickten erwartungsvoll nach vorn. Was blieb mir anderes übrig: Ich entschuldigte mich mühevoll krächzend und mit schmerzendem Hals und brach das Seminar ab.

Der Schreck über dieses Ereignis saß mir ordentlich in den Knochen. Also begann ich in den Tagen und Wochen danach, systematisch zu analysieren, wie das passieren konnte. Was ich übersehen oder zu wenig beachtet hatte. Und was ich in Zukunft daher aus guten Gründen anders und besser machen musste.

Dabei kristallisierten sich mehrere Dinge heraus.

Drei bittere Erkenntnisse

  1. Ich hatte viel zu wenig darauf geachtet, was ich esse und trinke, um anstrengende Seminartage stimmlich gut zu überstehen
  2. Mit einer gewissen Selbstüberschätzung war ich davon ausgegangen, dass ich als gelernter Schauspieler ohnehin gut genug mit meiner Stimme umgehen kann und dafür nichts mehr tun muss.
  3. Dass die trockene Luft in den gut geheizten Seminarräumen der Haut zusetzt und sie austrocknet, war mir klar. Doch dass sie meiner Stimme so sehr zusetzen könnte, führte mir erst dieser Super-GAU vor Augen.

Was meine Stimme damals an ihre Grenzen gebracht hat

Die Geschichte mit dem Kaffee

Das Trainerleben fordert ganz schön heraus. Du bist von einem Seminarhotel zum nächsten unterwegs, spulst viele Autobahnkilometer ab, kommst spät abends erst an, checkst dann noch die wichtigsten E-Mails … ausreichend schlafen bleibt unerfüllter Luxus. Hauptsache, im Frühstücksraum steht morgens eine große Thermoskanne Kaffee am Tisch!

Und während des Seminars? Zumindest der Trainer muss wach sein, war mein Leitspruch – und die Kaffeetasse neben der Box mit meinen Flipchartstiften war stets gefüllt.

Eigenartige Erlebnisse in den Tonstudios kamen mir in den Sinn, die mich als junger Sprecher mit guter Stimme gern für Werbeaufnahmen gebucht hatten. Wenn es längere Texte einzusprechen galt, war mir aufgefallen, dass sich meine Stimme von den ersten Sätzen bis hin zum Ende der Aufnahme in eigenartiger Weise veränderte. Sie klang dann etwas höher und dünner, eigenartig angespannt. Und immer stand damals eine großes Häferl Filterkaffee neben dem Mikrofon …

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In der aktuellen Podcast-Episode spreche ich mit meinem Kollegen Andreas Giermaier über heiße Luft und Winter-Stimmtipps. Hier findest Du die jeweils neuesten Episoden: https://bit.ly/StimmeWirkt oder http://www.arno-fischbacher.com/podcast    

Kaffee soll schlecht für die Stimme sein?

Nein, lassen wir die Kirche im Dorf. So kann man das nicht sagen. Wie immer macht die Dosis das Gift. Für mich jedenfalls gilt: Wenn ich heute einen anstrengenden Seminartag vor mir habe, zu wenig geschlafen habe und wach werden will, dann reichen fünfzehn Minuten dynamische Körperübungen und eine kalte Dusche völlig aus, um meinen Kreislauf in Schwung zu bringen.

Die Sache mit dem Kaltstart

Stimme? Kann ich! So oder ähnlich war damals wohl meine Einstellung. Aufwärmen? Ach, heute hab‘ ich gerade keine Zeit, das geht schon auch so. Dass selbst der edelste handgefertigte Rolls-Royce im Kaltstart keine Leistung bringen kann und mit guten Schmiermitteln versorgt werden will, darüber machte ich mir lange keine Gedanken.

30 min kostenlose Beratung mit Arno FischbacherHeute weiß ich: Die Belastung der Stimme durch langes Sprechen unter schwierigen Bedingungen wird deutlich unterschätzt. Während für das Ausüben professioneller Tätigkeiten zumindest eine Grundausbildung vorausgesetzt wird, gilt der Einsatz der Stimme in Kommunikationsberufen als selbstverständlich. Mit weitreichenden Folgen etwa auf die Fehltage im Spätherbst, wie in einschlägigen Statistiken nachzulesen ist.

Ob Sie zu größeren Gruppen sprechen, ob Sie emotional anstrengende Gespräche führen oder ob es rundherum laut ist oder der Raum hallt, in dem Sie sprechen, das ist ganz einerlei. Wenn sie es länger als 2-3 Stunden täglich tun, gehören sie in die Gruppe der professionellen Stimmbenutzer (Heavy Voice User).

Speziell für Sie habe ich die nachfolgenden Hinweise aufgeschrieben.

Weshalb im Winter die Belastung der Stimme besonders hoch ist

Es scheint selbstverständlich, dass ab dem Spätherbst Halsweh, Schnupfen und eine angegriffene Stimme auf der Tagesordnung stehen. Die Gleichung ist: Winter = Schnupfenzeit. Genau betrachtet schwirren die dafür verantwortlichen bösen Keime aber auch im Sommer herum, abgesehen vielleicht von zyklisch auftretenden Grippeviren.

Weshalb also ist der menschliche Organismus ausgerechnet in der Heizperiode so besonders anfällig für Atemwegserkrankungen? Es bilden doch bekannterweise die Schleimhäute in der Nase, im Rachen und speziell im Kehlkopf eine natürliche Barriere gegen das Eindringen von Krankheitserregern.

Trockene Heizungsluft schwächt die natürliche Barriere der Schleimhaut

Es ist das Raumklima, das uns manchmal krank macht. In geheizten Innenräumen sinkt die relative Luftfeuchtigkeit von angenehmen 40-60 % im Sommer auf bis zu 15 % im Winter. Das ergibt Luftbedingungen wie in einem Flugzeug. Und das trocknet unsere wichtigen Schleimhäute aus.

Man kann manchmal beim Einatmen deutlich spüren, wie es im Hals trocken wird. Die feuchte Ausatemluft kann das dann nicht mehr ausgleichen. Und plötzlich ist jenes spezielle Schmiermittel nicht mehr vorhanden, das uns erlaubt, stimmliche Höchstleistungen zu erbringen.

Was tun für gesunde Stimme im Winter?

Über den ganzen Tag verteilt Wasser trinken

Eine einfache Devise, nicht wahr? Der Haken daran ist, wenn wir keine Gewohnheit daraus machen, denken wir zu selten daran. Denn wenn wir Durst verspüren, ist es zu spät, dann sind wir bereits nahe am Verdursten.

Sie denken jetzt: Ich trinke doch ohnehin tagsüber allerlei? Merke: Der Kaffee zum Frühstück, die Limo zum Mittagessen, der Kaffee am Nachmittag und das Bierchen am Abend sind deutlich zu wenig, um unseren Flüssigkeitshaushalt an die veränderten Gegebenheiten der Winterzeit anzupassen.

Einmal ehrlich: Wie viel trinken Sie wirklich? Es lohnt, ein paar Tage lang Buch zu führen. Über den Tag verteilt sollten es schon einmal 2 l sein, speziell wenn sie viel und laut sprechen müssen. Mein persönlicher Tipp: Es gibt einfache Apps, die Ihnen helfen, den Überblick zu bewahren (etwa „Mein Wasser“ im Apple App Store)

Worauf verzichten Sie besser?

Sollte Ihre Stimme schon angegriffen sein, empfiehlt Stimmarzt Dr. Josef Schlömicher-Thier zuallererst einen kritischen Blick auf Ihre Ernährungsgewohnheiten. Denn ein Zuviel an Magensäure kann zu Reflux führen und die Stimme angreifen.

Die „Regel der fünf Finger“ zeigt, welche Ingredienzen Ihres Speiseplans Sie besser verringern:

  • zu süß
  • zu scharf
  • zu schnell
  • zu spät
  • im Stress

Wenn es bereits im Hals kratzt, verzichten Sie auf scharfe Drops, greifen Sie besser zu Isla Halspastillen (Kostenlose Probepackung unter: https://isla.at/probepackung )

Wenn Sie trotz heiserer Stimme im Beruf gefordert sind und nicht die empfohlene Stimmruhe halten können:

  • Kein Kamillentee, der trocknet ihre Schleimhäute noch weiter aus
  • kein Aspirin oder andere ASS-haltigen Präparate wegen deren blutverdünnenden Wirkung

Hausmittel

  • Gurgeln mit Salbei- oder Eibischtee
  • Gurgeln mit Salzlösung aus Heilsole (Apotheke)
  • Auch eine morgendliche Nasendusche mit Heilsole ist hilfreich.

Sorgen Sie für gutes Raumklima

Wenn sie das Übel trockene Luft an der Wurzel packen wollen, sorgen Sie für ausreichende Luftfeuchtigkeit in ihren Arbeitsräumen. Aus eigener Erfahrung und weil ich sie seit Jahren selbst verwende, empfehle ich gern zwei Geräte, die beide im Winter täglich für gute Luft in meinem Home-Office sorgen:

Stimmübungen gegen den morgendlichen Kaltstart

Als Schauspieler gehörten für mich fünfzehn oder zwanzig Minuten Aufwärmübungen vor jedem Auftritt zum Routineprogramm. Als selbständiger Trainer war anfangs wahrscheinlich meine Aufmerksamkeit auf anderes gerichtet, auch fehlte mir wohl der Ansporn durch Kollegen. Das Ergebnis habe ich Ihnen oben erzählt.

Mein Resümee: Es ist nicht nötig, stundenlang Stimmübungen zu machen. Eine kleine morgendliche Routine kann Wunder wirken:

  • Bewegen Sie Ihre beiden Schultern, kreisen Sie drei Mal im – und drei Mal gegen den Uhrzeigersinn
  • Summen Sie eine angenehme Melodie während des Zähneputzens
  • Lassen Sie Ihre Zunge langsam vor und hinter Ihren Zahnreihen kreisen, oben und dann auch unten
  • Aktivieren Sie Ihr Zwerchfell, imitieren Sie unbekümmert und laut ein startendes Motorrad: „brmmmm, brmmmm!“
  • Verbringen Sie regelmäßig Zeit im Auto? Zum Thema „Stimme aufwärmen im Auto“ habe ich eine eigene Episode meines Podcast gestaltet

Alles Gute und bleiben Sie gesund!

Ihr

 

Arno Fischbacher

 

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30 min kostenlose Beratung mit Arno Fischbacher