Mit dem prominenten Medientrainer Markus Sturm sprach ich bei einem „virtuellen Kaffee“ über die Macht der Stimme im Video, über erweiterte Schamgrenzen und sprechtechnische Tücken bei Zoom-Calls. Ein virtueller Kaffee – mit einem kleinen Schuss Mehrwert. 

Markus Sturm: Bei uns ist heute Arno Fischbacher auf einen virtuellen Kaffee. Er ist Speaker, Wirtschafts-Stimmecoach. Dann war er zwei Jahrzehnte am Schauspielhaus in Salzburg unterwegs, hat das auch noch gerockt. Die Salzburger Festspiele, Film- und Fernsehaufnahmen, also man kennt ihn vom Gesicht, aber man kennt ihn natürlich auch von der Stimme. Arno, zunächst einmal Küss die Hand!

Man spricht ja wahnsinnig viel! Wenn es um Medienauftritte, Videoaufnahmen und Zoom-Calls geht, sprechen immer alle von Mimik, von der Gestik. Warum ist die Stimme so ganz besonders wichtig? Was kann ich mit der Stimme bewirken? Warum sollte ich sie überhaupt steuern? Was kann man damit erreichen?

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Arno Fischbacher: Die Neurologie zeigt uns heute ganz genau, weshalb der Ton die sprichwörtliche Musik macht. Sie sagt, dass bereits eine viertel Sekunde, bevor in deinem Gehirn des „Gehirn-Siri“ die Worte versteht, der Ton deiner Stimme im Emotionalen Gehirn größte Wirkung zeigt. Also: Der Klang, die Melodie bestimmt, wie das, was du sagst, wahrgenommen wird und verstanden wird.

Ich erkläre das gern wie ein Ampelsystem. Wenn im Limbischen Gehirn diese Ampel auf Orange oder rot springt und Alarm schlägt, in jenem Teil des Gehirns, des für emotionale Reaktionen, für Sympathie oder Antipathie und für alle Kaufimpulse verantwortlich ist, dann hast du Pech gehabt.

Und erst wenn die Stimme in einer angenehmen Weise dort die Ampel auf Grün schaltet, dann haben wir mit unseren wertvollen Inhalten eine Chance, in der richtigen Art und Weise wahrgenommen zu werden.

Markus Sturm: Das merkt man ja selbst, wenn man Rede-Training gibt, wenn man mit dem simplen, aber nicht einfachen Elevator Pitch anfängt. Die Leute reden durch. Sie konzentrieren sich auf das Äußere – und dann macht man die Analyse und dann merkt man, die reden ohne Pausen. Arbeiten nicht an der Tonalität.

Warum wird es in der Tat so unterschätzt? Ist man komplett ein Augen-Mensch, oder woran liegt das?

Arno Fischbacher: Ja, der Mensch ist biologisch gesehen sehr visuell orientiert. Das Visuelle hat in der Verarbeitung unserer Wahrnehmungsimpulse Vorrang.

Das macht aber gleichzeitig die Stimme zum ungepflegtesten Ausdruckskanal des Menschen. Ich sage es mal so ungeniert. Gleichzeitig liegen aber dort jetzt in der Kommunikation die größten Ressourcen versteckt. Also dort liegt ein unglaublicher Schatz versteckt, sei es für Führungskräfte im Auftreten, sei es im Medienauftritte.

Die Macht der Stimme Seminar mit Arno Fischbacher

Markus Sturm: Naja, also man sieht es ja auch. Ich hätte ganz ehrlich vor Jahren noch nicht geglaubt, dass Podcasts so stark kommen. Oder ich hab dich letzten Sonntag bei Klubhaus erlebt. Audio ist in der Tat wieder King.

Arno Fischbacher: Ja, das ist nicht ganz überraschend. Schon in der Zeit, als das Fernsehen aufkam, hat man gesagt „TV kills the Radio Star!“ Aber das Gegenteil ist passiert. Obwohl natürlich das Fernsehen heute allgegenwärtig ist und neben dem Fernsehen heute ja alle anderen Videokanäle nach vorne kommen.

Ich sage immer: Dreht euch beim Film, dreht auch auf Netflix mal den Ton ab. Ja, schau dir einen spannenden Film ohne Ton an. Und dann wirst du merken, welche Bedeutung die Akustik in der Kommunikation hat. Das ist es, was unbewusst alle unsere Emotionen steuert.

Markus Sturm: Und das ist ein absolutes Plädoyer für die Stimme. Jetzt zeig dich mal so ein bisschen, wie du arbeitest, kannst du uns ja gleich was dazu erzählen. Das ist deine Welt. Wie arbeitest Du? Was machst du genau?

Arno Fischbacher: Das Speaking, die Vorträge, das ist ein Teil meiner Arbeit. Es verlagert sich meine Tätigkeit in den letzten Jahren sehr Richtung Coaching. Ich arbeite mit sehr vielen Führungskräften, also mit Kunden, die bereits Profis in der Kommunikation sind. Die machen bereits vieles richtig, die sind erfolgreich.

Aber sie bemerken, dass in ihrer mündlichen Kommunikation, also genau dann, wenn sie jemanden überzeugen wollen, noch Luft nach oben ist. Wenn sie Mitarbeiter dazu bewegen wollen, Veränderungsprozesse mitzugestalten. Wenn es bei größeren Projekten darum geht, die entscheidenden Worte zu sprechen. Oder im Medienauftritt, wenn das Bild und das Outfit stimmt, sie aber ahnen, dass Stimme und Ausdrucksweise noch Wünsche offen lassen.

Wenn Sie hinschauen, dann wissen Sie. Das Sakko sitzt schlecht. Ich hebe immer die linke Schulter, die Geste ist unrund. Das kann man sehen. Und es wird einem relativ rasch bewusst, solange es um Sichbares geht.

Sobald es um Stimme und Sprechen geht, um das Akustische, da fehlen plötzlich die Kriterien. Und hier tritt der Coach auf den Plan.

Markus Sturm: Wenn man Leute so bei Reden zuguckt, entweder es kommen die ganz leise Sprechenden, die nicht wirklich die Präsenz haben, oder es kommen die Leute, die wirklich viel Druck dann auf den Kehlkopf geben, weil sie meinen, sie müssen das Ding jetzt laut durchrocken, obwohl sie eigentlich ein Mikrofon haben.

Wie geht man mit sowas um, dass man wirklich Tonalität, Modulation der Stimme entwickelt? Wie trainierst du sowas? Ganz praktisch jetzt, etwa in einem Seminar.

Arno Fischbacher: Ja, das ist. Das ist eine interessante Frage. Und die lässt sich in einem Satz naturgemäß nicht beantworten, weil das hängt immer von dem Menschen ab, den ich vor mir habe. Das, weshalb mich meine Kunden und meine Klienten schätzen, ist, dass sie mit mir als Coach ganz wenig Zeit verbringen. Das ist nämlich der Engpass bei den meisten meiner Kunden. Also kann ich nicht mit einem vorgegebenen Programm über sie drüber gehen, sondern es ist höchst nötig hinzuschauen, wo ist der größte Hebel? Nach dem Pareto-Prinzip: Wo sind jene kleinen Schalter, die den größtmöglichen Output haben?

Markus Sturm: Vielleicht zum Schluss noch einen Tipp. Einer meiner letzten Vorträge in Bozen, man steht so hinter der Kulisse, und man merkt, die Nervosität steigt. Ja und manch einer hat dann auch mal einen Frosch im Hals usw.. Wie geht man damit um? Was ist dein Tipp?

Arno Fischbacher: Zwei praktische Ansätze. Das eine ist immer grundsätzlich vor jedem Leistungseinsatz zumindest für 5 Sekunden zu tun: Aufwärmen! Beginne immer mit einem Blitz-Warming-Up. Dazu gibt’s auch ein E-Book von mir: LINK

Erster Schritt: Sich durchschütteln. Einfach das Adrenalin körperlich abbauen und dabei ein paar Grimassen ziehen. Ziehe Dich irgendwo hin zurück, wo dich keiner sieht, wo du allein für dich bist und dann mach ein paar komische Dinge, Grimassen, Verrenkungen.

Spring über deinen mentalen Schatten, erweitere deine Schamgrenzen. Das ist mein Praxistipps, dauert 5 bis 10 Sekunden und ist maximal wirksam. Es baut die Einstiegsnervosität radikal ab und erweitert den gestischen Ausdrucksradius, weil die Schamgrenzen gedehnt sind.

Wenn’s dir aber jetzt während des Vortrags passiert? Du stehst auf der Bühne, alles ist gut und plötzlich durch irgendeine Irritation merkst du: Ooops, was ist los? Dann empfehle ich einen radikalen Wechsel vom Denken in die Körperwahrnehmung.

Praktisch geht das so, das hab ich in meiner in meinen vielen Jahren am Theater gelernt: Beim Vortrag stehst Du ja aufrecht, also steig von einem Fuß auf den anderen. Spüre Deine Fußsohlen, erlebe Dich körperlich.

Viele wollen diese Blockaden mit dem Verstand bewältigen. Das wird nie funktionieren. Da steigt eher die Nervosität. Wenn du deinem Organismus aber den Befehl gibst: Mach einen Schritt! Halte inne! Verlagere Deine Aufmerksamkeit auf die Fußsohlen! Mach einen Schritt von einem Fuß auf den anderen! Und nun stell dich neu hin! – dann wirst Du überrascht merken, dass in genau dem Moment, in dem du in die Körperwahrnehmung wechselst, das Denken ausgeschaltet ist und die Stressoren, die von außen auf dich einwirken, für einen kurzen Moment wie weggeblasen sind.

Der Körper regeneriert sich dabei in kürzester Zeit. Das wirst du sofort erleben. Du bist wieder Herr der Dinge, Frau deiner selbst, Herr deiner selbst und kannst neu durchstarten.

Markus Sturm: Und so eine gewisse Grundnervosität, auch die Profis haben die. Frank Elstner, der große Moderator, hat vor einem Jahr ein Interview gegeben, und zum Schluss zugegeben, wie nervös er vor jeder Live-Sendung war. Er hat sich Stoff-Dreiecke ins Sakko einnähen lassen, die ihm den Schweiß weggenommen haben. Also die Profis wissen einfach, wie sie damit umgehen. Aber das kann man dann eben z.B. bei dir ja in den Seminaren trainieren und erleben und sich ausprobieren.

Ich danke dir für das tolle Gespräch.

Arno Fischbacher: Und ich danke dir für diese feine Einladung zum gemeinsamen Espresso!

 

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