Wie ich zu meiner neuen Blutgruppe kam

Ein persönliches Wort vorweg. – Vielleicht ist Ihnen als Bezieher meiner Stimmtipps aufgefallen, wie spärlich meine E-Mails im vergangenen Jahr in Ihre Inbox geflattert waren. Ja, ich hatte mir eine Auszeit genommen – wenn auch nicht ganz freiwillig. Falls Sie neugierig sind, mehr über den Hintergrund zu erfahren, lesen Sie meinen Bericht.

Nur Augen und die Stimme

Es war ein strahlender Tag im Juni 2015, als ich gerade an einer Studie der Universitätsklinik Salzburg teilgenommen hatte und nach einem halben Tag umfangreicher Gesundheits-Checks anlässlich der Schlussbesprechung dem verantwortlichen Arzt gegenübersaß. Seit mehreren Jahren erforscht die „Paracelsus“-Studie den Gesundheitszustand der Salzburger Bevölkerung. Er lobte mich für vorbildliche Werte von Lunge und Herz bis Leber – und sprach dann: „Nur, Herr Fischbacher, diesen einen Wert müssen wir uns genauer anschauen!“

Zwei Monate später war klar, völlig unbemerkt durch meinen blendenden Allgemeinzustand war in meinem blutbildenden System durch eine „spontane Gen-Mutation“ ein biochemischer Prozess entgleist. In „diesem ganz besonderen Saft“, meinem Blut, schwammen bedrohlich viele Blutplättchen.

„Im Moment, Herr Fischbacher, lässt sich das medikamentös einstellen“, sagte mein behandelnder Arzt in der Klinik und schaute mich kurz prüfend an, als ob er einschätzen wolle, wie offen er mit mir sprechen könne. „Auf längere Sicht aber ist Ihre Erkrankung lebensbedrohend!“

Vielleicht kennen Sie aus eigener Erfahrung oder aus Ihrem Freundeskreis Erzählungen solcher Momente. Mein Arzt hatte immerhin nicht „Krebs“ gesagt, doch einerlei, auch wenn ich den Namen meiner Erkrankung vorher noch nie gehört hatte und viel Vertrauen in die moderne Medizin mitbringe – nach „lebensbedrohend!“ spürte ich einen ordentlichen Adrenalinschub. „Interessant“, sagte der Kommunikations-Coach in mir: „Die Botschaft hat er jetzt erstaunlich offen und klar rübergebracht. Und ich habe sie erstaunlich nüchtern zur Kenntnis genommen.“

Die entscheidende Nachricht hat mich dann doch etwas elektrisiert: „In etwa zwei Jahren ist der richtige Zeitpunkt für Ihre einzige Heilungsmöglichkeit, eine Blutstammzellen-Transplantation.“

Während ich von Herbst 2015 bis Herbst 2017 unzählige Seminare hielt, Vorträge gab und Coachingklienten unterstützte, liefen im Hintergrund die Vorbereitungen für den Tag X. Den Tag der Transplantation. Über die internationale Spenderdatenbank wurde in Berlin ein passender Spender gefunden, eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Behandlung.

Bei jedem folgenden Apothekenbesuch dankte ich dem österreichischen Sozialversicherungssystem. Nie wieder werde ich mich im Gespräch mit Kollegen über hohe Beiträge mokieren. Wussten Sie, dass es einen eigenen Begriff für besonders seltene Erkrankungen gibt? Und einen eigenen Aktionsplan für die Entwicklung und Finanzierung von Medikamente für diese „Orphan Disease“?

Konzeptionsbesprechung für die neue Voice-sells!-Akademie in Berklin

Foto: Kurz vor der Transplantation hatte ich noch in Berlin Videos und Webinare für den Vermarktungsstart meiner Online-Akademie aufgenommen. Ich hatte die Zeit meiner Rekonvaleszenz deutlich unterschätzt. Die „Voice-sells!-Akademie“ startet nun als Highlight meines 20. Jubiläumsjahres im Mai 2019!

Am 5. November 2017 war es soweit: Ich checkte in der KMT-Abteilung der Uniklinik Graz ein. Zehn Tage später sollte der „Tag Null“ Klarheit schaffen, ob die Blutstammzellen des anonymen Berliner Spenders von meinen Organismus willkommen geheißen würden – und ich den Eingriff überlebe. Das klingt jetzt sehr dramatisch, entsprach aber den nackten medizinischen Tatsachen.

Was genau ist unter dem Begriff „Blutstammzellen-Transplantation“ zu verstehen? Die Details der Behandlung erspare ich Ihnen, nur so viel sei gesagt: In den ersten neun Tagen wird der Empfänger auf die Transplantation vorbereitet. Mittels einer speziellen Chemotherapie wird die eigene Blutproduktion zerstört, anstelle derer ja später die neuen Stammzellen arbeiten sollen. Parallel dazu wird das Immunsystem auf nahezu Null reduziert, damit die Spenderzellen nicht abgestoßen werden. All das geschieht in einem hermetisch abgeschotteten Krankenzimmer mit spezieller Lüftung, das Betreten der Abteilung ist nur durch eine Schleuse möglich, Ärzte wie Krankenschwestern und Pfleger tragen Atemmasken. Was ich als Stimmcoach aus diesen Wochen gelernt habe, in denen die Stimmen von Menschen zu mir sprachen, von deren Gesicht ich nur die Augen sehen konnte, darüber berichte ich in einem nächsten Blogbeitrag.

Am Tag 10, dem Tag der Transfusion, war die Anspannung schon morgens spürbar: In aller Früh hatte mein Spender in Berlin seine wertvollen Stammzellen per Blutwäsche dargebracht. Mit Blaulicht ging die Kühlbox mit den beiden Infusionsbeuteln zum Flughafen, mit Blaulicht eilte die Grazer Rettung vom Flughafen zur Klinik. Gegen 13:00 Uhr war es soweit. Unter den prüfenden Blicken aller beteiligten Ärzte und angeschlossen an zahllose piepsende Sensoren erhielt ich per Infusion meine lebensrettenden Zellen.

Mein gut isoliertes Krankenzimmer in der Grazer Uni-Klinik.

Foto: Noch waren die Haare dran … Schnappschuss aus den ersten Tagen in meinem hermetisch abgeschlossenen Zimmer in der Uniklinik Graz.

Viele von Ihnen wissen, dass ich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Naturheilern („Curanderos“) aus dem peruanischen Amazonastiefland zusammenarbeite und von ihnen während meiner Reisen viel über Naturmedizin gelernt habe. Nie wird mich das jedoch davon abhalten, die Ernsthaftigkeit und die Forschungsleistungen der modernen Medizin wertzuschätzen. Ich konnte sehen, wie mehr als zwanzig Jahre internationaler Erfahrung in eine einzelne Behandlung zusammenfließen. Die methodische Kompetenz, das Know how, aber auch die menschliche Wärme, die ich während meines Klinikaufenthaltes erfuhr, haben mich tief beeindruckt.

In den Wochen vor meinem Klinikaufenthalt hatte ich viele organisatorische Vorkehrungen für meine lange Abwesenheit getroffen. Mir war bewusst, dass ich als selbständiger Dienstleister monatelang keine Umsätze würde machen können. Um wirtschaftlich zu überleben, reduzierte ich deshalb an allen Ecken Kosten, und, besonders schmerzhaft, beendete das Arbeitsverhältnis mit meiner langjährigen Assistentin. Interessant, von wie vielen liebgewonnenen Dingen, selbstverständlich gewordenen Gewohnheiten und scheinbaren Erfordernissen man sich trennen kann, wenn es denn einmal wirklich ernst ist.

Endlich wieder ohne Atemmaske unter Menschen gehen ... herrlich!

Foto: Ein besonderes Erlebnis, im Spätsommer 2018 erstmals ohne schützende Atemmaske im Menschengetümmel des Kunsthandwerkmarktes entlang der Salzach zu flanieren.

Mit vier Monaten gesundheitsbedingter Abwesenheit von Seminarräumen, Vortragssälen und Coachingstudios hatte ich gerechnet. Hatte alle lang vorher vereinbarte Termine abgesagt und viel Verständnis von Seiten meiner Kunden erfahren, wofür ich noch einmal ganz herzlich Danke sage! Doch bereits während meines sechswöchigen Aufenthalts in der Grazer Klinik erkannte ich, dass diese Annahme viel zu optimistisch war. Erst im September des letzten Jahres war ich soweit erholt, dass ich erste zaghafte Schritte zurück in den Beruf tun konnte. Doch noch einmal holte mich eine Infektion zurück in die Quarantäne. Erst jetzt, Anfang Februar 2019, kehre ich nach vierzehn Monaten Unterbrechung völlig gesund und wieder erstarkt zurück in mein gewohntes Leben.

Es bleibt Ihnen nicht verborgen: Da ich Ihnen heute persönlich über meine Erlebnisse berichten kann, hat das Grazer Team um Prof. Dr. Neumeister und Frau Dr. Huber-Krassnitzer wunderbare und erfolgreiche Arbeit geleistet. Mein Organismus hat die neuen Blutstammzellen ohne Widerstand aufgenommen, sie haben Platz in meinem Knochenmark gefunden und versorgen mich mittlerweile mit gesundem Blut, ganz so, als wäre nichts gewesen.

Nur meine neue Blutgruppe A0 erinnert mich wohl ein Leben lang an die dramatischen Stunden, Tage und Wochen in der Grazer Klinik.

Nun freue ich mich auf alles, was wir gemeinsam rund um Stimme und Auftritt noch miteinander erleben werden.

Ihr

Arno Fischbacher

 

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