Die Botschaft hör’ ich wohl … allein mir fehlt der Glaube

Überzeugend wirken ist nicht nur in der Politik ein Gebot der Stunde. Immer öfter kommt es in der öffentlichen Wahrnehmung weniger auf das „Was“ an, als auf das „Wie“. Signale der Körpersprache, der Mimik und ganz besonders der Tonfall und die Nutzung der Stimme bestimmen, wie kompetent oder glaubwürdig jemand wahrgenommen wird. In Vorwahlzeiten bieten sich uns dadurch viele kostenlose Lehrstunden, speziell beim TV-Schauen.

BLOG-ILLU_Israel_PolitikerIn unserer Bundeshauptstadt Wien wurde am vergangenen Wochenende gewählt, im Bundesland Oberösterreich zwei Wochen davor. Für Wien wurde ein Duell zwischen zwei Parteien vollmundig angekündigt, das dann in der von den Medien gehypten Form gar nicht stattfand … Ich will und werde hier in meinem Blog keine politischen Kommentare ob des Ergebnisses machen. Was ich jedoch gerne teile, sind meine diversen Beobachtungen rund um diese Wahlen. Beobachtungen zur Art der Kommunikation, Rhetorik, Stimme und natürlich betreffend die Gesamtwirkung der politischen Protagonisten.

Zentrale Frage dabei ist, konnten die diversen Politiker diverser „Couleurs“ überzeugen? Im Wahlkampf und auch danach, als die Ergebnisse bereits feststanden? Ein Überblick.

Unsicherer Blick

Besonders fiel mir das Verhalten von Bundeskanzler Werner Faymann im Fernseh-Interview auf, als er zum Verlust seiner Partei in Oberösterreich befragt wurde. Seine Augen wanderten ständig weg von der Kamera und verhafteten sich rechts oder links außerhalb des Bildes. Eine neue Interpretation des ja schon bekannten „Fluchtfußes“, das neue „Fluchtauge“.

Die Wirkung und auch Auswirkung auf die Stimme ist desaströs, wie ich finde. Dieses Verweigern des Blickkontaktes mit der Kamera, also mit dem Fernsehpublikum, wird von allen Menschen, die hier zusahen, mit hoher Wahrscheinlichkeit als Schwäche aufgefasst. Manche, die sich mit Medienauftritten auskennen, werden es direkt zuordnen können, aber auch jene, die keine Ahnung haben, was da genau vorgeht, werden sehr unbewusst, aber doch sehr klar merken, hier spricht einer, der unsicher ist … Blickkontakt mit der Kamera zu halten, ist an sich Lektion eins und Basis jeden Medientrainings. Die Frage, hatte der Herr Bundeskanzler keines oder kann er es nicht umsetzen, will ich mir gar nicht erst stellen, beide Alternativen sind eher unerfreulich.

Wenn die Stimme penetrant wirkt

Dass bei einer Fernsehdiskussion Fairness herrschen sollte, ist für mich klar und ja auch ein Aspekt der guten Kinderstube. Das hielt einige Teilnehmer der großen TV-Diskussion im Vorfeld nicht davon ab, die ihnen zustehende Redezeit zu überschreiten zu versuchen. Die Vertreterin der Neos-Partei wurde dabei unangenehm laut und sogar penetrant, was ich doch mit einiger Verwunderung zur Kenntnis nahm.

Was die Körpersprache verraten kann

Das Paradebeispiel einer Körpersprache, die alles verrät, hat jedoch Bürgermeister Häupl am Ende des TV-Auftritts der Spitzenkandidaten am Wahlabend geliefert. Auf die Frage des Moderators, ob ein Handshake zwischen ihm und Karl Heinz Strache (der Partei, mit der das Duell angekündigt war) möglich sei, antwortete Herr Strache sehr direkt „ja natürlich“ und wandte sich mit dem gesamten Körper inklusive Kopf und ausgestreckter Hand dem Bürgermeister zu. Häupl ging auf den Handschlag durchaus ein, drehte sich dabei aber eindeutig nach rechts, also weg von seinem Gegenüber, wandte sogar das Gesicht in die andere Richtung und bot so seine Hand dar … Wir sahen also die Botschaft eines Handshakes, glaubwürdig war sie allerdings von einer Seite her nicht. Verständlich, unter diesen Umständen, aber gerade diese Geste zeigte wieder einmal eindeutig, dass wir den Körper und seine Sprache nicht überlisten können!

Politiker, wenn sie also überzeugen und eine gewisse Vorbildwirkung ausüben wollen, tun gut daran, ihre Rhetorik, Körpersprache und Stimme unter einen Hut zu bekommen. Ich dachte eigentlich schon, dass dies als Botschaft angekommen wäre. Aber, es gibt scheinbar noch viel zu tun ….

Ihr Arno Fischbacher

 

 

 

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