Wo bleiben Momente der Begeisterung?

In den USA stehen im November die Präsidentschaftswahlen an. Und es tobt bereits ein intensiver Wahlkampf, eine Debatte jagt die andere und die so wichtigen Vorwahlen beginnen anzulaufen. Demokraten wie Republikaner lassen ihre perfekt geölten und lange vorbereiteten Kampagnen inklusive geschliffene Wahlkamp-Videos anlaufen.

Auch in Österreich wählen wir in diesem April einen neuen Bundespräsidenten. Und leider tobt hier noch gar nichts. Nur sehr zögerlich kamen die diversen Kandidaten der ebenso diversen Lager aus ihrer „Schutzhaltung“ heraus. „Tu ich’s oder tu ich’s nicht?“ schien das Motto aller Beteiligten zu sein.

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Eine unabhängige Kandidatin wagte sich als erstes aus der Deckung und gab noch im vergangenen Jahre ihre Kandidatur bekannt. Per Videobotschaft, die als nicht wirklich gelungen bezeichnet werden kann. Ein starker und überzeugender Auftritt sieht anders aus. Zögerlich folgten die weiteren „üblichen Verdächtigen“. Ein lange favorisierter Kandidat einer Regierungspartei sagte scheinbar im letzten Moment ab. Ein Ersatzkandidat musste quasi „last minute“ gefunden werden. Seiner hastig lancierten Website sieht man klar an, dass sie ebenso „last minute“ entstand.

Dasselbe gilt für die noch nicht vorhandenen Botschaften dieses Kandidaten. Ein anderer potentieller Hofburg-Anwärter einer weiteren Regierungspartei gab erst fix am 10. 1. seine Kandidatur bekannt … Er wurde bereits lange als sicherer Kandidat gehandelt. Trotzdem gab es am Tag der offiziellen Ankündigung noch immer keinen offiziellen Webauftritt. Im live Fernseh-Interview wirkte er wenig „lustvoll“, das Amt auch anzutreten zu wollen … Nur ein Kandidat scheint ein gut geplantes Programm zu fahren, sein Wahlkampfvideo ist überlegt und gelungen, er hat bereits über 44.000 Facebook-Likes und einen durchdachten und stimmigen Webauftritt.

Ich nenne hier bewusst keine Namen der Kandidaten, wer sich ein wenig mit der österreichischen Politik auskennt, wird diese meine Aussagen sicher zuordnen können. Mir geht es um etwas ganz Anderes … Nämlich um diesen gigantischen Unterschied zu den USA! Klar, dort ist das Thema Wahlkampf in seiner Intensität wohl etwas anstrengend und geht über einen immens langen Zeitraum. Aber, alles ist mehr als professionell und vor allem strategisch und langfristig vorbereitet. Und nur so kann überzeugende Außenwirkung entstehen! Ganze Wahlkampfmaschinen stehen zur Verfügung, um die entsprechenden Kandidaten zu pushen und zu unterstützen. Ich bin sehr, sehr sicher, alle US-Kandidaten unterziehen sich vor jeder wichtigen Debatte einem intensiven Auftrittscoaching betreffend Stimme und Körpersprache … Und nur so geht es!

Ich bin erstaunt und erschüttert, auf welch leichte Schulter dies hierzulande scheinbar immer noch genommen wird. Die für diese Wahlkämpfe Verantwortlichen scheinen zu meinen, dass es reicht, eine Art improvisierte Pressekonferenz zu halten, wenn der Ersatzkandidat endlich gefunden ist, oder dass es genügt, sich einfach vor eine Kamera zu stellen und zu verkünden: „Ich bin Kandidatin“. Wo bleiben die Emotionen durch Bilder, durch berührende Filme mit Inhalt, durch Gesten und ja, natürlich, durch die Stimme! Keiner der Kandidaten hat mir bisher durch die Begeisterung in der Stimme glaubhaft vermittelt, dass er – oder sie – dieses Amt wirklich, wirklich will!

Einen Wahlkampf kann man nicht aus dem Ärmel schütteln, innerhalb so kurzer Zeit! Das ist mehr als gefährlich. Das Publikum, in diesem Fall die Wählerschaft, verdient einen Wahlkampf aus vollem Herzen, mit dynamischem Einsatz aller Mittel. Sowohl persönlicher als auch strategischer Natur. Wer dies nicht versteht, könnte am Wahltag die Rechnung serviert bekommen …

Ich werde dieses Thema weiter aufmerksam beobachten und hier im Blog darüber berichten!

Ihr
Arno Fischbacher

 

 

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