Zeige Gefühle, aber behalte die Kontrolle

Vor kurzem hielt US-Präsident Barack Obama unter Anwesenheit zahlreicher Medienvertreter eine öffentliche Rede zum Thema „Waffenkontrolle“. Als er über Amokläufe in Schulen mit zahlreichen Todesfällen unter jungen Schülern sprach, waren seine Emotionen und seine Trauer nicht zu übersehen.

Er konnte an manchen Stellen seiner Rede nicht mehr weitersprechen, musste innehalten und kämpfte mit den Tränen. Er gewann den „Kampf“ nicht ganz und alle anwesenden Medien sowie die Fernsehzuseher konnten seine Tränen sehen.

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Viele Menschen meines Umfeldes haben mich seitdem gefragt: Darf ein Politiker, ein Präsident, noch dazu einer der mächtigsten Männer der Welt, öffentlich weinen?

Meine klare Antwort dazu: Ja, er darf. Ja, er soll sogar! Emotionen zu zeigen muss einem Politiker, auch dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, erlaubt sein. Wähler wollen ja schließlich keine Roboter an den diversen Schaltstellen der Macht, sondern Menschen mit Gefühlen, mit denen sie sich identifizieren können.

Zu beachten ist bei Gefühls-Demonstrationen in der Öffentlichkeit allerdings immer eines: Ob sie dem Anlass angemessen sind. Wer seine tiefe Betroffenheit mit den Familien der Schüler auf diese Weise ausdrückt, wird sicher keine Machteinbußen in der Außenwirkung zu befürchten haben. So ein Politiker kommt dann eher als „einer von uns“ durchaus positiv rüber. Dazu kommt, dass Barack Obama – sehen Sie selber im Video – seine Gesichtszüge wie auch seine Stimme ständig gut unter Kontrolle hatte, seine Mimik entgleiste nicht, er sprach weiter. Wenn auch langsamer und konzentrierter. Er war jeden Moment Herr seiner Gefühle, erlaubte sich aber, diese zu zeigen! Er wirkte trotz aller demonstrierten Sensibilität jederzeit stark, macht- und kraftvoll. Ein echter Tränenausbruch mit Schluchzen oder gar ein Weinkrampf vor Medien und Kameras hätte da allerdings eine ganz andere, sicher auch negativere Wirkung und könnte auf Schwäche schließen lassen …

Wie gelingt es also, trotz aller Emotionen nicht die gesamte Kontrolle über eine Situation zu verlieren? Dazu ist es wichtig, so professionell wie möglich und unter Beachtung aller wichtigen Regeln des öffentlichen Auftretens zu agieren. Das schaffen aber nur jene Menschen, die regelmäßig an ihrem Auftreten arbeiten und auch daran, ihre Stimme zu optimieren. Wer sich damit ständig und intensiv auseinandersetzt, dem gelingt es auch in einer sehr emotionalen Situation, einen wirksamen und überzeugenden Auftritt zu gestalten.

Den Teilnehmern meiner Seminare und Coachings sage ich auch immer: Zeigt auch vor Publikum Eure wahren Gefühle, seid ganz Ihr selber – aber wisst trotzdem jederzeit, was Ihr tut und vor allem, wie Ihr es tut! Wer das beherzigt und die Regeln von guter Körpersprache und kraftvoller Stimme kennt, der darf vor seinem Publikum auch weinen.

Ihr
Arno Fischbacher

 

 

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