BLOG-ILLU_TreppeEin vollgefüllter Saal mit erwartungsfrohem Publikum. Ich sitze in der zweiten Reihe und freue mich auf einen Redner-Abend mit vielen bekannten Kollegen. Die Lichter werden gedimmt. Es geht los. Von rechts kommt die Moderation des Abends. Sie schreitet auf meilenhohen Absätzen, aber doch sicher im Tritt, das Treppchen zur Bühne hoch. Sie sieht sehr gut aus – rein berufliches Interesse natürlich – und trägt ein elegantes Kleid. Das wird eine gute Moderation, denke ich mir. Auf Stufe drei sagt sie – noch im Gehen –  „Ja, also guten Abend …“. Das wird keine gute Moderation denke ich mir.

Ja, so schnell kann es gehen. Von einem Sekundenbruchteil  auf den andren änderte sich ihre  Wirkung total und unwiderruflich. Und damit die Erwartung an das noch Kommende. Meine Erwartung sank sofort klaftertief ab. Leider hatte ich Recht. Weder Stimme, noch Inhalt noch der weitere Gesamtauftritt waren erinnerungswürdig. Nicht richtig schlecht, aber auch nicht weiter erwähnenswert ….

Warum ich das gleich wusste? Nun, wer seinen Eröffnungssatz so vergeigt wie diese Moderatorin, der hat definitiv keine Ahnung von überzeugendem Auftritt und Wirkung. Ich kenne dieses Phänomen recht gut, viele beginnen auf der Bühne viel zu rasch zu sprechen. Die Anmoderation und Begrüßung aber schon auf dem Treppchen zu beginnen, war auch mir faszinierend neu ….  Die junge Dame wollte sicher besonders höflich sein, und ihr Publikum gleich abholen, sobald sie sichtbar war, aber dieses so nebenbei hingesagte Begrüßen klingt dann für die Zuhörer eher respektlos und schloddrig. Abgesehen davon, dass kein vernünftiger Auftritt jemals mit den Worten „Ja also …. „ beginnen sollte!

Was hätte die junge Moderatorin besser machen können? Richtig ist es, elegant die Bühne zu betreten, in deren Mitte zu gehen und sich erst mal zu verwurzeln. Dies ist wichtig, um in unsere Mitte zu kommen. Hilft auch richtig gut gegen eventuelles Lampenfieber! Dann nehmen Sie intensiven Blickkontakt auf mit Ihrem Publikum und warten etwas. Das ist auch das beste Mittel, um für die Stille und Aufmerksamkeit zu sorgen, die Ihre Rede oder Moderation verdient. Erst, wenn Sie die totale Aufmerksamkeit aller haben, beginnen sie zu sprechen …

Mir ist klar, für viele Redner ist es eher unangenehm, da vorne zu stehen und erst mal nichts  zu sagen. Diese Momente wirken wie Ewigkeiten. Aber nur auf den Redner. Niemals auf das Publikum!! Und, sehen wir es doch einmal so: Ist es nicht ein wunderbarer Moment, den wir auskosten dürfen? In diesem Fall haben wir als Mensch, der da vorne steht, eine ganz köstliche, positive Macht. „Die da unten“ warten, dass wir etwas sagen. Wir allein entscheiden, wann wir beginnen. Das ist Spannung pur für alle. Großartige Momente, die wir bei aller Wertschätzung für unser Publikum voll und ganz genießen dürfen! Klar darf sich dieser Spannungsaufbau nicht endlos hinziehen, sonst schlägt der Effekt ins Gegenteil um. Aber, Sie werden mit etwas Zeit und Üben instinktiv genau den richtigen Moment erkennen lernen!

In diesem Sinne, versuchen Sie bei Ihrem nächsten Auftritt, diese Momente vor Ihrem ersten Wort zu zelebrieren. Wie es Ihnen dabei ergangen ist, erfahre ich gerne hier im Blog als Kommentar!

Ihr Arno Fischbacher