Gut getaktete Pausen an den richtigen Stellen

Anlässlich der mit Spannung erwarteten Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten in den USA springe ich hier im Blog mal kurz über den großen Teich … Ich finde es immer sehr aufschlussreich und beobachtenswert, wie Amerikaner Wahlkampf betreiben und vor allem ihre öffentlichen Auftritte gestalten. Die Debatte fand am 13. Oktober statt und hatte meiner Ansicht nach eine klare Siegerin: Hillary Clinton. Sie präsentierte sich eindeutig stärker als Ihr demokratischer Mitbewerber Bernie Sanders. Die drei weiteren Rivalen, Lincoln Chafee, Martin O’Malley und Jim Webb fielen weder rhetorisch noch anderweitig auf …

Mikrofon und Stimme

Ich schließe mich der Meinung der Tageszeitung STANDARD (Frank Herrmann aus Washington) hier an, die schreibt: „Im Augenblick gibt es keinen, der Hillary Clinton in diesem Format das Wasser reichen könnte.“!

Besonders bemerkenswert fand ich, wie spontan, locker und lächelnd Frau Clinton teilweise agierte. Eine eindeutige positive Veränderung zu früheren Auftritten oder auch zu ihren eher wenig emotionalen Wahlkampfvideos. Mit sehr festem Stand (sie befand sich vor einem Rednerpult, aber an ihrer starken Haltung und Präsenz konnte ich erkennen, dass sie gut im Boden „verwurzelt“ war) und klarem und geradem Blick in die Kameras wirkte sie sehr überzeugend.

Ihr Sprechtempo war perfekt, nicht zu schnell und nicht zu langsam, mit gut getakteten Pausen an den richtigen Stellen. Im Vergleich zu den anderen Kandidaten wirkte sie bereits wie ein „Acting Commander in Chief“. Das ist ja eine der wichtigsten Komponenten, die bei einer solchen Debatte als Resultat beim Publikum hängenbleiben sollen. Traut man dieser Person den Job zu, ja oder nein. Meiner Ansicht nach eindeutig ja, sie wirkte kraftvoll, ganz bei sich und vollkommen konzentriert.

Besonders gut gefiel mir ihr Schlusswort „ Please join me in this campaign – let us make it clear that America’s best days are still ahead.“ Ein starker Moment, der mit einer längeren Pause zwischen dem letzten Wort und dem darauffolgenden „Thank you“ allerdings noch mehr Wirkung gehabt hätte … Ja, die Macht der Pause. Sie ist fast so wichtig wie die Macht der Stimme selbst.

Ich werde diese Vorwahl-Ausscheidungen und dann natürlich den Wahlkampf im nächsten Jahr weiter intensiv beobachten und meine Eindrücke und Erkenntnisse hier im Blog mit Ihnen teilen!

Ihr
Arno Fischbacher