Fülllaute wie „Ähm“, „Eigentlich“ oder „Quasi“ werden oft als störend empfunden – besonders in professionellen Gesprächssituationen. Viele Menschen versuchen, sie rigoros zu vermeiden. Doch sind sie wirklich immer schlecht? Oder können Fülllaute sogar eine positive Wirkung entfalten? In diesem Beitrag beleuchte ich, wie Fülllaute funktionieren, was aktuelle Forschung dazu sagt und wie du souverän damit umgehen kannst.
Der Inhalt dieses Beitrags kann auch angehört werden:
Fülllaute sind Teil natürlichen Sprechens
Wenn wir sprechen, denken wir gleichzeitig. Unsere Gedanken entwickeln sich während des Sprechens und nicht alles ist von Anfang an vollständig vorbereitet. Fülllaute wie „Ähm“ oder „Quasi“ entstehen als natürliche Platzhalter, wenn wir kurz innehalten, um den nächsten Gedanken zu formen. Sie signalisieren, dass der Satz noch nicht zu Ende ist und schaffen Raum zum Nachdenken.
Im normalen Gespräch fallen diese Laute meist kaum auf. Sie vermitteln sogar Nähe und Authentizität, da sie zeigen, dass wir als Sprecher:innen im Moment präsent sind und nicht auswendig runterrattern.
Neue Studien: Fülllaute sind nicht per se negativ
Eine Studie aus dem Jahr 2017 mit bekannten Redner:innen wie Mark Zuckerberg, Steve Jobs und Oprah Winfrey hat überraschende Ergebnisse geliefert. Entgegen der gängigen Annahme wirkten Sprecher:innen mit moderatem Einsatz von Fülllauten charismatischer und sympathischer als solche, die komplett ohne Fülllaute sprachen.
Interessanterweise wurde dieses Ergebnis sogar mit Robotern getestet: Roboter, die Fülllaute einbauten, wirkten auf Zuhörer:innen menschlicher und zugänglicher als Roboter ohne diese Laute. Das zeigt, dass Fülllaute einen wichtigen Beitrag zu natürlicher Kommunikation leisten.
Wann Fülllaute stören und was du dagegen tun kannst
Trotz ihrer natürlichen Funktion können Fülllaute in bestimmten Situationen als störend empfunden werden — vor allem in erklärenden oder formellen Kontexten. Wenn du etwas erklärst und dabei viele Füllwörter nutzt, kann das den Eindruck von Unsicherheit oder Unvorbereitetheit erwecken.
Das Problem entsteht oft, wenn die Satzmelodie am Ende nach oben steigt („Entenschwänzchen“), was Zuhörer:innen signalisiert, dass der Satz noch nicht abgeschlossen ist. Dadurch entsteht ein Gefühl von Unruhe und es fällt schwer, dem Gesagten zu folgen.
In Interviews oder Präsentationen kann dieser Effekt zusätzlich problematisch sein, da es den Eindruck erweckt, der Sprecher wolle den Satz nicht klar abschließen – etwa, um Schnittstellen zu vermeiden.
Fülllaute als Markierung für Wichtiges nutzen
Eine weitere Studie hat gezeigt, dass Fülllaute dabei helfen können, wichtige Wörter oder Informationen besser zu merken. Sie wirken als eine Art Markierung, die das Gehirn auf das Folgende aufmerksam macht.
Wenn du beispielsweise Fachbegriffe oder Eigennamen betonst, kannst du stattdessen auch kurze Pausen davor und danach setzen, um den Zuhörer:innen die Chance zu geben, das Wort zu verarbeiten. So brauchst du keine Fülllaute, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Praktische Übung: Bewusst und entspannt mit Fülllauten umgehen
Diese Übung dauert 2–5 Minuten und hilft dir, Fülllaute gelassener wahrzunehmen und sinnvoll einzusetzen:
- Wähle einen kurzen Text oder eine Rede, die du spontan vorträgst.
- Sprich den Text einmal ganz normal und nimm dich dabei auf.
- Höre dir die Aufnahme an und achte darauf, wo Fülllaute auftauchen.
- Bewerte, ob die Fülllaute störend wirken oder eher natürlich und angenehm.
- Versuche beim nächsten Vortrag, statt eines Fülllauts eine kurze Pause zu machen, besonders vor wichtigen Begriffen.
- Wiederhole die Aufnahme und vergleiche die Wirkung.
Diese Übung fördert dein Bewusstsein für den Einsatz von Fülllauten und hilft dir, deine Sprechweise klarer und authentischer zu gestalten.
Fazit
Fülllaute sind kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Professionalität, sondern ein natürlicher Teil menschlicher Sprache. Sie können Nähe schaffen und sogar die Merkfähigkeit steigern. Dennoch ist es sinnvoll, in formellen oder erklärenden Situationen bewusst mit ihnen umzugehen und gegebenenfalls Pausen als Alternative zu nutzen. So bewahrst du Klarheit und Präsenz in deiner Stimme.
Wenn du deine Sprechweise vertiefen und deine Stimme bewusster einsetzen möchtest, lade ich dich ein, dich mit gezieltem Training auseinanderzusetzen. Eine starke, authentische Stimme ist ein Schlüssel zu erfolgreicher Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Warum entstehen Fülllaute wie „Ähm“?
- Fülllaute entstehen, wenn das Gehirn während des Sprechens neue Gedanken bildet und noch nicht alle Worte bereitstehen. Sie dienen als Platzhalter, um den Redefluss aufrechtzuerhalten.
- Stören Fülllaute immer die Wirkung einer Rede?
- Nein. In alltäglichen Gesprächen wirken Fülllaute oft natürlich und sympathisch. In formellen Reden oder Erklärungen können sie jedoch ablenken, wenn sie zu häufig oder an den falschen Stellen eingesetzt werden.
- Wie kann ich Fülllaute reduzieren, ohne unnatürlich zu klingen?
- Eine hilfreiche Methode ist, bewusst kurze Pausen zu setzen, besonders vor wichtigen Begriffen. So gibst du dir Zeit zum Nachdenken und deine Zuhörer:innen können besser folgen, ohne dass dein Sprechen unbeholfen wirkt.
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