Aktive Sprache – weshalb Sie beim Präsentieren zu viele Hauptworte vermeiden sollten

Als Ärgernis ersten Grades empfinde ich, wenn mir bei Präsentationen immer wieder große Haufen unattraktiver Begriffe die Sicht auf Sinn und Botschaft verstellen. Kommen Ihnen Sätze wie dieser auch so vertraut vor: „Zum Thema Controlling ist zu sagen, dass die Aktualität der Daten für Ihren Erfolg größte Bedeutung hat…“

 

Kann es Zufall sein, dass ungeübte oder auch gestresste Redner mit traumwandlerischer Sicherheit zu dieser schwer verdaulichen, da hauptwortlastigen Sprache finden? Was verhindert so oft, dass wir mit aktiver Sprache angeregt werden?

Vor einiger Zeit fiel auf mir eine Meldung auf wissenschaft.de in die Hände. Deutsche und spanische Forscher hätten entdeckt, dass im menschlichen Gehirn Zeit- und Hauptworte getrennt in verschiedenen Bereichen abgespeichert würden.

Schon lange weiß man, dass Babys Begreifbares zuerst benennen und somit aussprechen können – mit Verben kämpfen Kinder oft noch als Dreijährige. Und so entsteht meine These: Unter Stress greift das erwachsene Gehirn beim Sprechen zuerst auf die „älteren“ Einträge zurück. Das Ergebnis: Die Zuhörer werden mit schwer verarbeitbaren Hauptworten bombardiert.

Ist dieser Redestress unvermeidlich? Ist aktive Sprache im Moment des Präsentierens unmöglich? Sprechen vor Publikum setzt selbst routinierte Redner „unter Strom“. Der Anblick frontal sitzender und erwartungsvoll blickender Zuschauer löst im Gehirn uralte Notprogramme aus. Gegen diese Übermacht ankämpfen? Unmöglich. Wo ist die Tür? … Schon pocht das Herz, der Atem fliegt, der Schweiss bricht aus. „Du hast Dich nicht unter Kontrolle!“, funkt der Verstand. „Das sind doch nur Kollegen!“

Aber diese beschwichtigende Nachricht fällt selten auf fruchtbaren Boden. Das „System“ ist jetzt stärker als sonst mit sich selbst beschäftigt: Habe ich auch alle Fakten parat? Habe ich alle Erwartungen berücksichtigt? Weshalb ist meine Kehle trocken? Wohin mit den Händen? Klingt meine Stimme auch laut genug? Diese Irritation verleitet das Sprachzentrum rasch, auf „Sicheres“ zurückzugreifen. Sie ahnen es bereits, es sind die Hauptworte, die auch in Notfällen parat sind… – und schon hören die Teilnehmer, was sie befürchtet haben: Eine langweilige, weil schwer verständliche Präsentation, gespickt mit vielen Hauptworten und Nominalsätzen.

Was erlebt jetzt der Redner auf der Bühne? Erraten. Die schlimmste aller Befürchtungen bewahrheitet sich: Das Publikum reagiert nicht! – Und das stresst erneut, ein Teufelskreis hat begonnen.

Welche typischen Hauptwort-lastigen Sätze Ihrer Präsentationen werden Sie das nächste Mal verändern? Welche Verben (Zeitworte) werden Sie nutzen, um Ihre Zuhörer mit aktiver Sprache zu verwöhnen?

Herzlich, Ihr

Arno Fischbacher

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