BLOG-ILLU_FestspieleHier in Salzburg sind die Festspiele angelaufen. Aus diesem Anlass fanden am 18. Juli zahlreiche Veranstaltungen statt. Unter anderem stellte Regisseur Peter Konwitschny seine Inszenierung „Die Eroberung von Mexico“ in der Felsenreitschule dem Publikum vor. Dies fand in der Form einer Doppelconference zwischen Konwitschny und dem Bühnenbildner Johannes Leiacker statt. Ich selber weilte zu dem Zeitpunkt bereits am Amazonas, aber meine Bekannte M. wohnte dem Event in der Felsenreitschule bei. Sie erzählte mir, dass sie die ganze Zeit an mich denken musste, und an alles, was sie über Aufritt, Wirkung und Stimme von mir wusste.. O-Ton von M.: „Alles was man betreffend so einen Auftritt nur falsch machen kann, wurde hier geboten“. Hier der live Bericht aus der Felsenreitschule, den ich meinen geschätzten Blog Lesern nicht vorenthalten will.

Regisseur und Bühnenbildner treten auf und nehmen auf den vorbereiteten Stühlen Platz, zwischen ihnen ein Tischchen. Jeder hat ein Mikrofon. So weit, so gut. Der Regisseur beginnt zu sprechen und springt gleich ins Thema, beginnt über das Stück zu sprechen. Sich vorzustellen, kommt beiden Herren nicht in den Sinn. Auch wenn sie voraussetzen, dass jeder sie kennt – was sicher nicht der Fall war – das ist einfach ein Grundakt der Höflichkeit bei einem solchen Auftritt. Das Mikrofon funktioniert auch nicht korrekt, erst nach „lauter“ Rufen aus dem Publikum wird es neu justiert. Der Regisseur nöhlt dann weiter vor sich hin zu dem Stück. Seine Worte sind scheinbar total aus dem Zusammenhang gerissen. Wer nicht schon genau weiß, worum es geht, ist verloren. Ebenso plötzlich und unzusammenhängend übergibt er dann das Wort dem Bühnenbildner, der genauso unübersichtlich über das Bühnenbild berichtet. Beide Herren bieten dazu eine monotone und emotionslose stimmliche Leistung. Konwitschny meint, sie würden sich so freuen, mit dem Stück in Salzburg zu sein. Nun, diese Begeisterung und Freude sind weder zu sehen noch zu hören. Der gesamte Auftritt wirkt wie „ich will, und ich kann nicht“, oder „nun, dann müssen wir das Ding halt hier vorstellen“. Ein gewisser Ausdruck der Wertschätzung für das Publikum, für das Interesse, für das Kommen an einem glühend heißen Samstag Vormittag fehlt vollkommen. Wertschätzung fehlt auch aus einem anderen Grund: Es wird nach drei Minuten klar, dass diese beiden Protagonisten sich nicht die Zeit genommen haben, den Auftritt dramaturgisch vorzubereiten. Sie haben im Vorfeld – M. meinte, das wäre total evident gewesen – keinen roten Faden entworfen, dem sie dann während immerhin einer Stunde folgen konnten. Das ist bei Live Auftritten, besonders zu Zweit, natürlich fatal. Gerade Auftritte in Form einer Doppelconference sind besonders sorgfältig zu planen. An diesem Samstag Vormittag haben die beiden Helden vor allem eines getan: Gelangweilt!!! Klar ersichtlich dadurch, dass viele der Zuhörer den Ort des Geschehens vorzeitig verließen. M. berichtet mir, dass nur die Tatsache, dass sie mitten saß und viele Leute hätte aufscheuchen müssen, sie an einem vorzeitigen Auszug aus der Felsenreitschule hinderte. Sie beschäftigte sich zur Überbrückung der Langeweile bereits mit dem Verfassen dieses Berichts an mich ….

Ich finde das tragisch aus verschiedenen Gründen. Das oberste Ziel, auf die Inszenierung der „Eroberung von Mexico“ Lust zu machen, neues Publikum zu gewinnen, ging wohl gründlich daneben. Neue Kartenkäufer hat diese Performance dadurch sicher nicht gewonnen. Und dass ein Regisseur!! seinen eigenen Auftritt nicht entsprechend inszenieren kann, ist mir sowieso vollkommen unverständlich. Ein weiterer Grund, an der Tauglichkeit der Inszenierung des Stücks zu zweifeln. Dass die Bedeutung von Stimme und Dramaturgie in Unternehmen teilweise noch nicht so ganz bekannt ist, weiß ich. Das zu ändern ist auch meine Mission. Aber, dass es auch in Schauspielkreisen dieses Manko gibt, ist mir neu. Nun, es gibt viel zu tun.

Leid tut mir dabei nur M. Denn sie hat mit Bekannten bereits Karten für das Stück. Alle sind nun skeptisch betreffend diesen Abend. Ich bedanke mich bei ihr für diese wertvollen Einsichten. Sie zeigen ganz klar auf, wie die Eroberung von Publikum – sei es im Theater oder im unternehmerischen Umfeld – nicht funktioniert. Und damit sind wir schon wieder einen Schritt weiter.

Vergessen Sie nie die Macht der Stimme!
Ihr Arno Fischbacher

PS: M. hat die Aufführung der „Eroberung von Mexico“ in der Zwischenzeit besucht. Und ist von Inszenierung wie Dramaturgie äußerst beeindruckt. Regisseur Konwitschny weiss also, wie Spannung funktioniert, wenn er sie auf die Bühne bringt. Das nächste Mal bitte ein bisschen mehr davon im Vorfeld und in eigener Sache!