Karin hat heute einen wichtigen Termin und will ihren Stress nicht zeigen. Sie wird dem CEO ihres Unternehmens ein wichtiges Konzept vorstellen. Wochenlang hat sie daran gearbeitet. Nun sitzt sie am Tag der Präsentation im Auto und fährt zur Arbeit. Also eigentlich fährt sie nicht, sie steht. Im Stau. Und gerade heute hat ihre fünfjährige Tochter besonders getrödelt, wollte partout nicht aufstehen und hat die gesamte morgendliche Routine drastisch verzögert … Karin fuhr also sowieso schon sehr knapp ab und ist nun durch den Stau temporär immobilisiert. Nervös blickt sie immer wieder auf ihre Uhr. Endlich geht es weiter. Mit quietschenden Bremsen parkt sie ein. Sie hat noch genau zwei Minuten, um im Konferenzraum zu erscheinen. „Guten Morgen“, ruft sie einem Kollegen mit flatternder, hoher Stimme zu. Der sieht ihr erstaunt nach. So klingt sie doch normalerweise gar nicht, denkt er sich …

Stress in der Stimme vermeiden

Kein gutes Omen. Karins Stress ist also schon hörbar. Durch ihren Galopp in Richtung Meetingraum hat sich dieser Zustand nicht wirklich gebessert. Sie ist eindeutig zu spät dran, der CEO, der COO und andere hochrangige Mitarbeiter warten bereits. Gestresst, nervös und sehr eindeutig außer Atem, beginnt sie nach einer hastigen Entschuldigung ihre Präsentation. Inhaltlich ist sie perfekt vorbereitet und kann all das Vorbereitete auch abrufen. Leider bleibt ihre Stimme während der gesamten Redezeit hoch, dünn und unsicher. Karin macht kaum Sprechpausen an diesem Morgen, es wirkt, wie wenn sie an einem inneren Band noch vorne gerissen würde, um den unpünktlichen Beginn auszumerzen. Überzeugungskraft sieht anders aus. Der CEO verlässt dann auch mit einem vagen „ich werde mir das überlegen“ den Meetingraum. Karin bleibt verwirrt und sehr unzufrieden mit sich zurück … Was hätte ich anders machen können, denkt sie immer wieder.

Nun, als erstes hätte sie sich entspannen können, ganz bewusst. Schon im Auto, im Stau. Sie wäre relaxter angekommen und hätte ihre eigene Verspannung nicht unbewusst auf die anderen Anwesenden übertragen. Als zweite Maßnahme hätte sie sich ganz bewusst auf ihre Stimme konzentrieren können. Denn unsere Stimme verrät unsere Gefühle, Ängste und Stimmungen viel stärker, als es uns bewusst ist. Stimme ist hörbare Körpersprache. Leider merken wir Spannungen in der eigenen Stimme selber nicht so leicht. Unser Publikum nimmt diese jedoch sehr sensitiv sofort wahr. Für solche Fälle wie die Situation von Karin empfehle ich, mit „sense focusing“ rechtzeitig diesen hörbaren Stress zu lösen. Das erlaubt es, sich in jeder Lebenslage dem Einfluss von außen zu entziehen, aus dem ewigen Reagieren auszusteigen, den unbewussten inneren „Autopiloten“ auszuschalten und selbst das Steuerruder zu übernehmen. „sense focusing“ beruht auf der biologischen Wechselbeziehung zwischen aktiver, bewusster Körperwahrnehmung („spüren“) und dem Loslassen von gespannten Muskeln. Wer dies anwenden zu weiß, ist in kurzer Zeit fähig, auch unter erschwerten Leistungsbedingungen jeden Stress unter Kontrolle zu bekommen.

Und so gehen Sie vor um Stress zu vermeiden

Halten Sie für einige Sekunden inne. Gute Gelegenheiten sind: Im Aufzug, wenn Sie auf etwas warten, etc. Stehen Sie aufrecht und belasten Sie beide Füße gleichmäßig (oder sitzen Sie, ohne sich anzulehnen, richten Sie sich auf und halten Sie mit beiden Füßen guten Bodenkontakt). Spüren Sie nun ganz bewusst, wie viel Gewicht links und rechts auf Ihren Füßen lastet (im Sitzen: auf Ihren Füßen und Ihrem Gesäß). Erleben Sie, wie nun wie von selbst die Schultern loslassen – und in Ihrem Gesicht ebenfalls irgendwo spürbar Muskeln lösen.

Somit hätte Karin unter Anwendung dieser Technik ein rasch funktionierendes Werkzeug zur Verfügung gehabt, um stimmwirksame Spannungen lösen und dadurch aktiv positiven Einfluss auf ihre Stimme nehmen zu können.

Stress wird es für alle von uns immer geben. Daran können wir nichts ändern. Ob wir ihn aber hörbar machen wollen, oder nicht, das ist ganz alleine unsere Entscheidung. Üben Sie „sense focusing“ wann immer Sie können, vor allem dann, wenn sie gerade keinen Stress haben, so gewöhnen Sie sich daran!

Achten Sie gut auf Ihre Stimme!
Ihr
Arno Fischbacher