StimmcoachingVor kurzem im Stimmcoaching. Ein Kunde hatte mich um Feedback zu seinem neuen Video gebeten. Ich saß also da und verfolgte die sehr aufwendig und professionell gemachte Videobotschaft. Mein Kunde – zur Wahrung der Anonymität nenne ich ihn hier Günther – hat was drauf und geht erfolgreich seinen Weg. Er ist auch ein sehr dynamischer Charakter. In diesem Video erklärte er den Nutzen seines Angebotes, seiner Methodik und drückte sich in gewählten Worten aus, es gab professionelle Texteinblendungen und eine gute Dramaturgie vom inhaltlichen Aufbau her. Und trotzdem, je länger ich zusah, desto mehr wunderte ich mich. Nämlich darüber, wo das Charisma, die tolle Ausstrahlung, die ich sonst bei diesem Menschen kenne, geblieben waren. Die kamen nämlich gar nicht rüber. Günther wirkte unpersönlich, leicht automatisiert, fast roboterhaft und völlig ohne Empathie, sonst einer seiner vordringlichsten Charakterzüge. Seine sprichwörtliche Nahbarkeit, die ich selber so an ihm schätze, war wie weggewischt … In der näheren Analyse zu diesem Stimmcoaching wurde mir rasch klar, woran das lag.

Auch das ist Stimmcoaching

Wenn ich Menschen coache, machen wir meist keine Stimmübungen, sondern widmen uns auch vielen anderen Komponenten, die auf die Stimme und vor allem auf die Wirkung Einfluss haben. Wie auch in diesem Stimmcoaching zum Video. Warum wirkte Günther so de-personalisiert und steif? Die Antwort ist im Grunde einfach: Er hatte seinen Text zu intensiv vorbereitet und nahezu auswendig gelernt, um im Video flüssig und ohne „ähs“ zu sprechen. Das ist löblich, führt aber dazu, dass der Darbietung meist jegliche Spontanität und Leichtigkeit fehlt. Der Redner oder die Rednerin wirkt „unangreifbar“, starr und menschlich nicht anziehend. Sprechpausen finden nicht statt. Ein Girlandensatz zieht den nächsten mit sich. Die Zuseher haben das Gefühl, hier trägt einer einen Fachartikel vor. Auswendig gelernt oder abgelesen. Beides ist von der Wirkung her gleich schlimm. Sogar Personen mit hohen kommunikativen Fähigkeiten können diese dann nicht entsprechend lebendig ausleben. Auch Günther ist es auf diese Weise nicht gelungen, das, was ihn ausmacht, seine wahre Persönlichkeit und Essenz, zu transportieren. Kurz gesagt: Sein Video hat betreffend den Aufbau einer Beziehungsebene versagt.

Stimme und Sprachmuster gestalten Beziehung

Um zu verstehen, warum das so ist, sehen wir uns an, wie gelungener Dialog abläuft. Einer sagt etwas, das Gegenüber antwortet bzw. reagiert. Durch nicken, bejahen oder eben eine Aussage. Das Gespräch entwickelt sich auf reaktiver Basis, man reagiert auf die Impulse des jeweils anderen. Und genau das fehlt im Video, in dem nur einer spricht und es keinen Dialog gibt . Das Gesagte wirkt „wie so daher gesagt“, ohne Tiefe und Resonanz, weil im Augenblick der Aufnahme ja auch keiner da ist, der tatsächlich interessiert zuhört. Dadurch kommt es zu dieser eigenartigen Wahrnehmung von Statik und Unnahbarkeit in Günthers Video.

Mein Stimmcoaching empfiehlt die „Fragenkette“

Was ist die Lösung? Meine Empfehlung als Coach ist es, Sprachmuster zum Einsatz zu bringen. Ich habe Günther im Stimmcoaching empfohlen, für die Neuaufnahme des Videos innerhalb der Struktur der Präsentation eine Fragenkette aufzubauen, die es ihm ermöglicht, sich von seiner Person weg und hin zu seinem Publikum zu wenden. Günther stellte dem imaginären Publikum also eine Frage und beantwortet diese – nach einer angemessenen Spannungspause – selber. So entsteht ein „stummer“ Dialog, den das zukünftige Publikum des Videos allerdings als sehr lebendig wahrnimmt. Diese Vorgehensweise lockert den Einheitsbrei der im ursprünglichen Video gewählten Methode sofort immens auf! Die Fragenkette ist auch das perfekte Stilmittel, um Präsentationen vor Publikum aufzulockern und nicht als Fachvortrag wirken zu lassen!

Wer so mit der Fragenkette arbeitet, darf nun jedoch nicht in die Falle tappen, zu übertreiben, und eine wahre Fragen-Salve an sein Publikum abzufeuern. Das erzeugt sofort Verhör-Charakter und stößt die Zuhörer zurück. Es gilt vielmehr, die perfekte Balance zwischen Wissensübermittlung und geschickt platzierten Fragen zu finden.

Und wie Sie diese „Verhör-Falle“ vermeiden, beschreibe ich im nächsten Blog.

Wenn Sie mit Ihrer nächsten Präsentation souverän überzeugen wollen, wählen Sie noch heute Ihren nächsten Schritt zu rhetorischer Exzellenz:

Rhetorik Praxis – Führungskräfte-Kompaktlehrgang (Salzburg) oder
Stimme & Rhetorik kompakt (Mallorca)
Bis dahin, achten Sie gut auf Ihre Stimme!
Ihr
Arno Fischbacher