Lampenfieber: Angst vor der Scham?

Im ersten Teil dieses Blog-Beitrages zum Lampenfieber haben wir uns die Auswirkungen und Hintergründe von Lampenfieber angesehen. Ich finde nämlich, dass es sehr wichtig ist, als erstes zu verstehen, was in unseren Hirnen und Körpern vor sich geht, um dann im zweiten Schritt die wirklich richtigen und passenden Tools anzuwenden, um diese irritierenden Reaktionen für immer zu verbannen! Und genau darum geht es in diesem Blogbeitrag. Was also können Sie tun, um das gefürchtete und ungeliebte Lampenfieber in den Griff zu bekommen?

Bei Lampenfieber der Scham ein Schnippchen schlagen

LampenfieberLampenfieber ist im Grunde nichts anderes als Schranken im Kopf, die Sie selber errichtet haben. Reißen Sie diese unerschrocken ein! Dazu sollten Sie wissen, dass Sie innerlich wachsen können, wenn Sie neue Nervenbahnen legen und einfach beschließen, dass Sie diese innere Scham, die wir vor Auftritten oft spüren, einfach nicht mehr verspüren wollen. Dieser Scham können Sie ein Schnippchen schlagen, wenn Sie Ihr inneres Kind hervorholen und damit Ihr limbisches Gehirn aktivieren. Das ist im Grunde der einzige wirklich zielführende Weg, um Ihr Lampenfieber zu heilen – und das auch noch in Rekordtempo.

Eine meiner Coachingkundinnen, nennen wir sie Michaela, hatte ein ganz bestimmtes Problem. Ihre Karriere in einem großen Unternehmen war bisher sehr steil und positiv verlaufen. Nun aber war ein neuer Chef gekommen und vor diesem ging die tüchtige Leiterin einer Fachabteilung regelmäßig kommunikativ ein. „Wenn er in der Runde sitzt, wenn ich einen Vortrag vor den Kollegen halte und etwas präsentiere, versage ich total“, verriet sie mir. „Sobald der Chef fragend die Augenbrauen hochzieht, mit diesem gewissen Blick, werde ich rot, beginne zu stottern und verliere den Überblick. Ich schäme mich so dafür … “, sagte sie verzweifelt. Sie, die nie Lampenfieber hatte, wurde von diesem nun total geschüttelt mit allen bekannten Symptomen wie zitternde Beine, Leere im Kopf, viel höhere Stimmlage als üblich. Kurz gesagt, sich selber und sein Thema souverän präsentieren sieht anders aus. Besonders schlimm war, dass sie dieses Lampenfieber auch im persönlichen Gespräch mit dem Vorgesetzten spürte und so ihre Projekte und Ideen nicht mehr überzeugend darlegen konnte. Verzweifelt sah Michaela mich an und wartete auf langwierige, heilsbringende Übungen, die ich ihr auftragen würde. Zu ihrer großen Überraschung hatte ich so etwas aber nicht in petto.

Blödeln gegen Lampenfieber

Ich wusste, dass es gar keinen Sinn machen würde, ihre Glaubenssätze zu verändern. Dieser Prozess wäre viel zu langwierig. In dieser Situation brauchten wir einen Erste-Hilfe-Plan. Den gibt es, und er heißt BLÖDELN. Ja, intensives Blödeln vor jedem Auftritt oder vor jedem wichtigen Gespräch entspannt und macht die Muskeln locker. Und vor allem, es programmiert jeden, der blödelt, mental auf „Spiel“ um. Ich riet Michaela also, jedes Mal, bevor Sie das Büro Ihres Chefs betreten musste, ausgiebig zu blödeln, an einem ruhigen Ort, wo niemand sie überraschen konnte. Am besten vor einem Spiegel, um gleich auch über sich selber lachen zu können, was noch mehr entspannt! Michaela war überrascht, sie hatte sich ein ganz anderes Programm vorgestellt, aber in ihrer Verzweiflung wollte sie alles probieren.

Einige Tage später rief sie mich euphorisch an. Vor dem nächsten Termin mit ihrem Chef hatte sie im Bad geschnaubt und gewiehert wie ein Pferd, sich selber Grimassen geschnitten und war wie ein Derwisch herumgesprungen. „Ich war so begeistert von meiner eigenen Albernheit, ich wollte gar nicht mehr aufhören“, meinte sie fasziniert. Danach ging sie – mit vom Springen noch etwas zerzaustem Haar – festen Schrittes in das Meeting und trug mit ebenso fester Stimme vor. Dieses Mal blieben die Augenbrauen des Chefs unten und hoben sich nicht missbilligend, er spürte diese neue Kraft natürlich sofort und war unbewusst beeindruckt.

Blödeln ist wirklich das Zauberwort, um innere Hemmungen zu lösen. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten, mit Lampenfieber umzugehen.

Bewusst entspannen dämpft das Lampenfieber

Ich nenne das Lampenfieber auch den perfekt hörbaren Stress. Um diesen akustisch nicht mehr wahrnehmbar zu machen, gibt es auch einige Tricks. Wie z. B. das bewusste Entspannen, das können Sie vielleicht schon im Auto auf der Fahrt zum Termin oder Aufritt immer wieder durch ruhiges Atmen erreichen. Als zweite Maßnahme können Sie sich voll und ganz auf Ihre Stimme konzentrieren. Da sie hörbare Körpersprache darstellt, ist sie ja der Verräter Nummer eins Ihrer hohen Anspannung aus Lampenfieber.

Leider merken wir Spannungen in der eigenen Stimme selber nicht so leicht. Unser Publikum nimmt diese jedoch sehr sensitiv sofort wahr. Für solche Fälle empfehle ich, durch „Sense Focusing“ rechtzeitig diesen hörbaren Stress zu lösen.

So funktioniert „Sense Focusing“

„Sense Focusing“ erlaubt es, sich in jeder Lebenslage dem Einfluss von außen zu entziehen, aus dem ewigen Reagieren auszusteigen, den unbewussten inneren „Autopiloten“ auszuschalten und selbst das Steuerruder zu übernehmen. „Sense Focusing“ beruht auf der biologischen Wechselbeziehung zwischen aktiver, bewusster Körperwahrnehmung („spüren“) und dem Loslassen von gespannten Muskeln. Wer dies anwenden zu weiß, ist in kurzer Zeit fähig, auch unter erschwerten Leistungsbedingungen jeden Stress unter Kontrolle zu bekommen. Halten Sie für einige Sekunden inne. Stehen Sie aufrecht und belasten Sie beide Füße gleichmäßig (oder sitzen Sie, ohne sich anzulehnen, richten Sie sich auf und halten Sie mit beiden Füßen guten Bodenkontakt). Spüren Sie nun ganz bewusst, wie viel Gewicht links und rechts auf Ihren Füßen lastet (im Sitzen: auf Ihren Füßen und Ihrem Gesäß). Erleben Sie, wie nun wie von selbst die Schultern loslassen – und in Ihrem Gesicht ebenfalls irgendwo spürbar Muskeln sich lösen.

Lampenfieber – zusammengefasst

Hier zum Abschluss noch einmal im Überblick, was genau Sie tun können, um Ihr Lampenfieber wirklich in den Griff bekommen:

  • Schlagen Sie der Scham ein Schnippchen – es gibt keinen Grund, sich für etwas zu schämen.
  • Lassen Sie Ihr inneres Kind heraus, es will gelassen und frei spielen, auch und besonders auf der Bühne.
  • Blödeln Sie – bitte unbedingt VOR Ihren Auftritten und Präsentationen.
  • Entspannen Sie sich durch bewusstes Atmen im Vorfeld Ihres Auftritts.
  • Praktizieren Sie Sense Focusing zur Lockerung Ihrer Muskulatur.
  • Nehmen Sie einen festen Stand ein, „verwurzeln“ Sie sich in Gedanken im Boden und sprechen Sie erst, wenn Sie direkten Blickkontakt mit Ihrem Publikum aufgenommen haben und der Raum wirklich ruhig geworden und bereit für Sie ist.

Redeangst, gesteigerte Nervosität und Lampenfieber blockieren wertvolle Energie, die Sie besser in den aktiven Dialog mit Ihrem Publikum investieren. In diesem Beitrag haben Sie Hintergründe und Strategien kennen gelernt, wie Sie in Zukunft gefasst, ruhig und angenehmer Neugier auf die wohlwollenden Reaktionen Ihrer Zuhörer vor Ihr Publikum treten können.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Gedanken:

Welche Strategien gegen die fehlgeleitete Scham scheinen Ihnen besonders wirksam? Haben Sie schon einmal vor einer Präsentation aktiv geblödelt? Was ist Ihr bestes „Rezept“ gegen Lampenfieber? Schreiben Sie Ihre Gedanken und Erlebnisse als Kommentar! Ich freue mich auf Ihre Beiträge!