Wenn vor dem Vortrag die Knie zittern …

Gehören Sie auch zu jenen Menschen, denen schon alleine bei dem Gedanken, sich öffentlich zu äußern, vor lauter Lampenfieber ganz anders wird? Die bereits Schweißausbrüche bekommen bei der Idee, vor Publikum eine Rede oder Präsentation zu halten?

LampenfieberWenn ja, dann sind sie damit nicht allein. Die so unnötige „Krankheit“ Lampenfieber hat sehr, sehr viele Menschen im Griff. Auch versierte Redner oder Präsentatoren, ja sogar Schauspiele, viele von ihnen sind vor jeder Performance von Lampenfieber geschüttelt. Aber, diese Profis haben Instrumente und Techniken zur Hand, die das Lampenfieber auf ein erträgliches Maß reduzieren helfen. Eine gewisse Auftrittsnervosität ist sogar sehr wichtig, um wirklich die volle Leistung bringen zu können. Wenn diese Aufregung aber so weit geht, dass Ihre Beine sichtbar schlottern, das Hirn sich leer anfühlt, Sie keinen vernünftigen Gedanken fassen können und vor allem Ihre Stimme hörbar zittert – dann ist Handlungsbedarf angesagt, um Ihr Lampenfieber in den Griff zu bekommen.

Die Auswirkungen von Lampenfieber

Was genau ist es, was Menschen vor Publikum hemmt? Was macht aus kompetenten, selbstbewussten Leuten innerhalb weniger Sekunden ein Häufchen Elend, wenn sie vor Kollegen oder Vertragspartner treten, um zu diesen zu sprechen? Diese Menschen sind total fit in ihrem Wissen und kennen ihr Thema. Im Zweiergespräch können sie sich elegant ausdrücken, sind meist auch charmant und spontan. Aber dann, inmitten von Zuhörern wirken Sie wie ängstliche Kinder, unsicher, schutzbedürftig und zeigen deutlich, dass sie eigentlich nur flüchten wollen. Ihr ganzer Körper verrät Anspannung. Durch ihre plötzlich zaghafte Stimme und die engen Gesten, die sie zeigen, wirken sie klein. Sehr viele Menschen, die unter einem solchen Anfall von Lampenfieber etwas präsentieren, halten den Ellenbogen dicht am Brustkorb, so, als könnte der direkte Kontakt mit den Rippen sie schützen. Dabei engt genau das ein, unterbindet eine einladende Gestik und vor allem – behindert die Atmung. Diese Haltung ist reines Gift für die Stimme!

Woher kommt das Lampenfieber?

Menschen, die so derartig über-nervös sind vor einem Auftritt, stehen unter extremem Leistungsdruck, den sie sich selbst auferlegt haben. Sie wollen perfekt sein. Das führt dann zu einer übersteigerten Selbstkontrolle. Sie wollen auch darin perfekt sein, diese Hemmungen in wenigen Sekunden vor dem öffentlichen Sprechen zu überwinden und verkrampfen noch mehr. Innere Stimmen flüstern ihnen plötzlich zu:

  • „Sie beobachten Dich! Und war ganz genau.“ Und:
  • „Sie fragen sich: Bist Du auch gut genug?“ Oder:
  • „Andere sind womöglich viel besser als Du …“.

Das kann schon genügen, um endgültig auszuflippen und nicht mehr Herr über Stimme und Rhetorik zu sein … Diese Gedanken kommen sehr oft aus der Kindheit, wo wir stets ermahnt wurden, nicht zu präsent, nicht zu laut zu sein und immer darauf zu achten, was die anderen von uns denken. Spontanität wurde nicht so gerne gesehen, Eltern und Großeltern mahnten Zurückhaltung ein. Diese Muster sind noch heute die Feinde eines jeden Vortragenden. Machen Sie sich vor jedem Auftritt bewusst: Da draußen ist Publikum, das Sie hören will, das auf Ihr Wissen und Ihre Impulse und Ideen wartet. Sie dürfen, ja Sie müssen lauter und sichtbarer sein. Man wartet auf Sie!

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Und sich totstellen hilft auch nicht …

Oft hört man: Lassen Sie bei Auftritten Ihre Kreativität zu, unterdrücken Sie sie nicht. Damit unsere Kreativität lebt, braucht sie Freude, die Neugier, den Raum. Die Kreativität wohnt im limbischen Gehirn, dort, wo Gefühle und Beziehungen sich verbinden. Das ist auf der Bühne aber gar nicht so einfach. Wenn es Ihnen nicht gelingt, in diese Region der Inspiration zu gelangen, dann steht Ihr Körper unter Stress.

  • Ihr Gehirn pumpt eine Überdosis Adrenalin in ihre Adern.
  • Alles, was sie nun zu denken oder zu sagen versuchen, wird mit Angst überflutet.

Dementsprechend klingen Sie dann auch. Und Sie strahlen Ihr Lampenfieber aus jeder Pore aus. Sie spiegeln das Lampenfieber quasi in Ihr Publikum, das sich nun auch nicht mehr wohl fühlt. Sie empfinden Scham auf der Bühne, weil Sie wissen, wie Sie gerade wirken oder eben nicht wirken. Diese Scham transportiert sich auf die Zuseher, die sich für Sie mitschämen. Niemand im Saal ist in seiner Mitte. Und Sie spüren jetzt nur einen Wunsch: Flucht! Ihr Stammhirn will sie schützen und so schnell wie möglich runter von dieser Bühne bringen. Da das nicht geht, fallen viele mega nervöse Redner dann in den alten Reflex des Totstellens bzw. in dessen auf der Bühne mögliche Varianten: Kleine Gesten, alle Bewegungen frieren ein, die Stimme stirbt im wahrsten Sinne des Wortes ab. Erwähnenswerte Mimik gibt es auch nicht mehr.

Wenn die Stimme Ihr Lampenfieber entlarvt

Und dann verstecken Sie vielleicht auch noch Ihre Hände hinter dem Rücken, wenn diese vor Nervosität zittern. Oder Sie haben gewisse Begrüßungsgesten einstudiert, die Sie souverän wirken lassen sollen. Aber, wenn Sie den Mund öffnen und der erste Ton wird hörbar, lässt sich die grausame Wahrheit nicht mehr leugnen: Sie stehen stimmlich nackt da. Pur. Unverfälscht. Ihre Stimme ist für Ihr Publikum der klare Indikator. Man könnte auch sagen, die Stimme ist der untrügliche Verräter par excellence, wie es wirklich in Ihnen aussieht. Wie beeindruckend Ihrer erster Satz inhaltlich auch sein mag, wenn die Stimme flattert, sind Sie entlarvt!

Wenn das so ist, wird es Zeit, diese hemmenden Schranken in Ihrem Kopf einzureißen und aktiv an der Beseitigung Ihres Lampenfiebers zu arbeiten. Bevor Sie sich jedoch an das Kennenlernen der dazu wichtigen Tools machen, sind einige reflektierende Gedanken angebracht, zu denen ich Sie einladen darf.

  • Hat für Sie Lampenfieber gedanklich nur mit Auftritten vor zahlreichen Menschen, auf großen Bühnen, zu tun? Und fühlen Sie sich deswegen vielleicht nicht betroffen, weil es für Sie in Ihrem Leben solche Situationen nicht gibt?
  • Überlegen Sie, in welchen Alltagsmomenten Sie gewisse Gespräche oder Konfrontationen hinauszögern, weil Sie sich dabei nicht wohl fühlen und diese Konversationen am liebsten gar nicht führen wollen. Z. B. den Chef nach einer Gehaltserhöhung fragen, die tiefe innere Anspannung vor einem heiklen Kundengespräch, das klärende Gespräch mit einem Kollegen, das schon lange fällig ist …
  • All das und noch vieles mehr sind Momente, in denen möglicherweise Lampenfieber-Aspekte auftreten, bevor Sie das Wort ergreifen.

Die Auswirkung von Lampenfieber grassiert auch und vor allem in unserem Alltag! Deswegen ist es so ein wichtiges Thema, mit dem sich wirklich alle beschäftigen sollten, für mehr Überzeugungskraft im Leben.

Beobachten Sie sich während der nächsten Tage und Woche doch einmal selber, welche Reaktion da für Sie in genau welchen Situationen zutrifft, was der Auslöser ist und welche Symptome Sie vermerken können.

Im zweiten Teil dieses Beitrags begleite ich Sie beim Anwenden von fünf hochwirksame Strategien gegen Anspannung, Redeangst und Lampenfieber.

 

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Gedanken:

Welche Erlebnisse verbinden Sie mit dem Thema Lampenfieber? Haben Sie selbst Lampenfieber? Was ist Ihr bestes „Rezept“ gegen Lampenfieber? Schreiben Sie Ihre Gedanken und Erlebnisse als Kommentar! Ich freue mich auf Ihre Beiträge!