Entenschwänzchen und andere rhetorische Plagegeister

Lesen Sie in diesem Blogbeitrag zwei gravierende rhetorisch-sprechtechnische Unzulänglichkeiten, wie Sie sie vermeiden und bessere Rhetorik lernen. Sie erfahren, weshalb Entenschwänzchen sowie Girlandensätze die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer verhindern und was Sie dagegen konkret tun können. Sie erfahren fünf praktische Tipps, wie Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums oder Teams immer wieder maximal erreichen und wie Sie mit Ihrer Stimme die richtigen Beziehungssignale senden.

Zuhören mit Hindernissen

Kennen Sie das? Sie wollen zuhören, sind am Inhalt interessiert, aber irgendetwas in der Stimme, der Sprechweise, der Art zu sprechen hindert Sie daran?

Rhetorik lernen: Was beim Zuhören nervt
Rhetorische Entenschwänschwänzchen machen das Zuhören besonders schwer.
Illustration: Arno Fischbacher

Es ist später Vormittag, die Tagung hat um neun Uhr begonnen, draußen vor dem exklusiven Hotel nahe München scheint strahlend die Sonne. Ich sitze an einem runden Tisch im hinteren Bereich des großen Vortragsraums. Mein Vortrag über die „Macht der Stimme im Business“ ist nach der Mittagspause an der Reihe, ich habe mich jedoch entschlossen, schon von Beginn an mit dabei zu sein, um zu erfassen, wo wohl die heiklen Momente in der Kundenkommunikation liegen werden.

Etwa vierhundert Mitarbeiter sind eingeladen, die beiden Projektleiter, die ihre Pläne für das kommende Jahr dargelegt hatten, gehen gerade von der Bühne. Spärlicher Applaus.

Die Dame, die rechts neben mir am Tisch sitzt, dreht sich zu mir und meint verärgert: „Das wäre so ein spannendes Thema – aber man kann den beiden ja einfach nicht zuhören!“

Erster Schritt: Selbsterkenntnis

Vielleicht fragen Sie sich auch manchmal, „Weshalb bemerkt er das jetzt nicht selbst?“ oder „Wieso sagt ihr das denn niemand?“ oder „Weshalb gehen die nicht einfach Rheorik lernen?“ Nun, als Wirtschaftsstimmcoach muss ich die angesprochenen Redner jetzt fast in Schutz nehmen. Denn Sprechen fällt in die Kategorie „Unbewusste Kompetenzen“! Wir haben es von Kind an geübt. Daraus resultiert: Wir sprechen, ohne darüber viel nachzudenken. Es ist den wenigsten Menschen bewusst, dass Sprechen die am aufwändigsten automatisierte Gewohnheit unserer Spezies darstellt. Schon um ein einzelnes Wort zu sprechen, müssen Atmung, Körpersprache und Gestik, die Gedanken, das Gehör etc. miteinander kooperieren. Das klappt nur mit viel Übung und jahrelanger Wiederholung. Am Ende ist eine Gewohnheit entstanden, eine Handlungsroutine, eine „Unbewusste Kompetenz“ eben.

Sprechen geschieht „Autopilot-gesteuert“

Auf die Details der Ausführung haben wir kaum mehr Zugriff. Das macht nicht nur Veränderungen so schwer, sondern auch – als ersten Schritt zur Verbesserung – das Erkennen von Unzulänglichkeiten. Jede Gewohnheit wird vom inneren „Autopiloten“ als „normal“ gewertet – das Bauchgefühl macht daraus flugs „richtig“.

Von Coachingklienten höre ich immer wieder Sätze wie: „Danke, Herr Fischbacher, dass Sie mich so schonungslos darauf hinweisen! Das war mir so nicht klar! Ich habe mich im Lauf meines Lebens sehr wohl mit Rhetorik lernen auseinandergesetzt und mich viel mit Präsentationstechnik beschäftigt – aber auf die Fallstricke von Stimme und Sprechtechnik hat mich noch niemand hinweisen können!“

Praxistipp:

  • Nehmen Sie Ihre Präsentation einfach bei nächster Gelegenheit mit Ihrem Mobiltelefon auf und achten Sie akribisch auf störende Details. Lernen Sie die Mankos Ihrer Rhetorik kennen.
  • Kostenfreies Beratungsgespräch: Nutzen Sie die Gelegenheit zu einem Analysegepräch mit Ihrem Coach. Reservieren Sie Ihren Wunschtermin auf https://arno-fischbacher.com/coaching

Wenn die Unruhe im Saal beginnt

Zurück in den Vortragssaal nach München. Woran war spürbar, dass das Publikum den beiden Projektleiter nicht wirklich die volle Aufmerksamkeit geschenkt hat? Vielleicht haben Sie das auch schon einmal erlebt, wenn in einem großen Saal zu allererst in den hinteren Reihen ein wenig Unruhe aufkommt. Wenn der Geräuschpegel im Saal dann ganz langsam zunimmt, die Vortragenden das bemerken, ihre Irritation nicht ganz verbergen können und engagiert, aber wohl mit untauglichen Mitteln versuchen, ihr Publikum wieder zurückzugewinnen?

Verbessern kann sich jemand erst, wenn der Engpass definiert ist. Im Falle der beiden Projektleiter in München hatte ich die Aufmerksamkeits-Killer rasch dingfest gemacht. Die vielen „Entenschwänzchen“ waren es, die Unlust zuzuhören verursachten: so nennen wir jene immer wieder notorisch am Satzende nach oben hochgezogene Sprechmelodie, die uns als Zuhörer deutlich signalisiert, dass ohnehin gleich der nächste Satz kommt und wir deshalb nicht reagieren müssen.

Girlandensätze

Ein gravierender Vorbereitungsfehler ist die Ursache, gepaart mit der nervlichen Anspannung durch das große Auditorium. Und schon beschleunigten die Sprecher, binden einen Satz nach dem anderen mit dem Wörtchen „und“ aneinander und hindern uns als Zuhörer daran, die einzelnen spannenden Gedanken, Ergebnisse und Resultate auch in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen und zu bewerten.

Schon ist dieser Teufelskreis ist geschaffen. Auf der einen Seite verursachen diese weit verbreiteten sprechtechnischen Unzulänglichkeiten („Entenschwänzchen“ sowie „und-Bindungen“, zusammen auch als „Girlandensätze“ bekannt) beim Sprecher selbst immer mehr Anspannung („Sprechdruck“). Auf Zuhörerseite verhindert diese Sprechweise das aktive Mitdenken. Und wenn der sprichwörtliche Groschen nicht fallen kann, entlockt die Rede dem Publikum auch kaum Reaktionen. Weder ein kleines Nicken noch ein leises Schmunzeln zeigen dem Redner, dass seine Worte angekommen sind.

Praxistipps:

  • Verzichten Sie zu Beginn Ihrer Präsentation auf Floskeln, unpersönliche Begrüßungen und „ich“-lastige Selbstvorstellung.
  • Überraschen Sie Ihre Zuhörer mit einer klugen Frage, die unmittelbar zum Kern Ihres Themas führt.
    Sprechen Sie nicht zu, sondern mit Ihrem Publikum. Achten Sie darauf, dass bereits in Ihrem ersten Satz das Wörtchen „Sie“ vorkommt und für direkte Ansprache sorgt.
  • Besonders wichtig, wenn Sie – wie die Redner im Beispiel aus München – viele Fakten transportieren wollen: Ihre Zuhörer können Zahlen und Fakten immer erst aus dem Kontext verstehen.
  • Erzählen Sie ein Beispiel, stellen Sie einen Vergleich an, der auf Ihre Zahlen und Fakten neugierig macht. Stellen Sie dann eine kluge Fragen in den Raum, die Sie anschließend selbst mit Ihren wichtigen Infos beantworten.
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Verräterisch unpersönliche Stimmen

Stimme macht Stimmung, heißt es … oder eben nicht! Im aktuellen Beispiel wurden die Stimmen der beiden Sprecher auf der Büne immer unpersönlicher, etwas höher, klangen weniger moduliert. Ich bin sicher, beide Seiten – Akteure wie Zuhörer – nahmen das nicht bewusst wahr. Aber es tat seine Wirkung … denn Stimme hat Macht!

Viele der Sprechgewohnheiten, die uns als Teilnehmer und Zuhörer das Leben schwer machen, kranken an der Missachtung des vierten Kernattributs der Stimme, der Beziehungsaussage.

Zum besseren Verständnis: Die vier Kernaussagen Ihrer Stimme, das sind jene unbewussten Botschaften, die Ihre Stimme ununterbrochen aussendet, ohne dass Sie es bemerken:

  • Dominanz: Schafft Aufmerksamkeit
  • Empathie: Vermittelt persönliche Anteilnahme
  • Druck: Zeigt Anspannung und Nervosität
  • Beziehungsqualität: Zeigt, ob Sie Ihre Zuhörer in 
    einer Rolle oder als Individuum ansprechen

Empathische Beziehungs-Stimme schaltet die Kauf-Ampel im Gehirn auf grün

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was macht speziell dieses vierte Signal so wichtig in Vortrag und Präsentation, im Gespräch und am Telefon? Es schaltet, bildlich gesprochen, die Ampel im „Kaufgehirn“, im Limbischen Gehirn des Menschen entweder auf rot oder auf grün. Ihre Stimme signalisiert untrüglich, ob Sie Ihre Gesprächspartner nur als Ressource für Ihren Nutzen wahrnehmen, also in der Rolle als Käufer, als Publikum oder in ihrer Funktion als Mitarbeiter etc. … oder als Individuum mit Bedürfnissen, Gefühlen und Werten.

Praxistipp:

  • Mentale Vorbereitung: Sprechen Sie Ihre Zuhörer in ihrer Rolle oder Funktion an (als potentielle Kunden, Lieferanten etc.) oder haben Sie sich Gedanken gemacht, worin die persönlichen oder sozialen Bedürfnisse des einzelnen Individuums liegen könnten? 
  • Sprachliche Vorbereitung: Verführen Sie die Zuhörer Ihres Vortrags gleich mit Ihrem ersten Satz in eine heikle Situation, für die Sie später Lösungen aufzeigen werden. 
  • Nutzen Sie dazu suggestive Formeln wie: „Angenommen, Sie …“, „Erinnern Sie sich …“ oder „Vielleicht haben Sie auch schon einmal …“

Ihre Stimme signalisiert untrüglich, ob Sie Ihre Gesprächspartner nur als Ressource für Ihren Nutzen wahrnehmen, also in der Rolle als Käufer, als Publikum oder in ihrer Funktion als Mitarbeiter etc. … oder als Individuum mit Bedürfnissen, Gefühlen und Werten.

Es geht auch anders

Noch ein letztes Mal zurück zur Tagung. Als letzter Redner vor der Mittagspause hat der Vertriebsvorstand die Bühne betreten. Souverän vorn in der Mitte stehend spricht er mit seinem Vetriebsteam. Dunkle, volle und klare Stimme, sympathischer Ton, obwohl er mit deutlichen Worten nicht spart. Er strahlt Kompetenz, Gelassenheit, aber auch Entschlossenheit aus. Er ruht stimmlich in sich, erlaubt sich den einen und anderen Seitenhieb. Er spricht moduliert, akzentuiert einige seiner Aussagen mit deutlichen Pausen, das macht gehörigen Eindruck.

Allen ist klar, dieser Mann hat Format. Seine Worte machten Eindruck und ließen den einen oder die andere Mitarbeiterin mit nachdenklichem Gesicht zum Mittagsbuffet gehen. 

Die Worte erreichen so oft nur den Verstand. Die Stimme erst öffnet die Tür zu den Herzen! Arbeiten Sie an Ihrer Stimmkompetenz, sodass auch Ihre wertvollen Inhalte durch mitreißenden Vortrag und überzeugende, begeisternde Stimme Ihren Erfolg sichern!

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