BLOG-ILLU_Mikrofon_SketchManager und Politiker bewegen sich in vollkommen verschiedenen Sphären und haben verschiedene Aufgaben. Eines haben beide Berufsgruppen jedoch gemeinsam: Sie müssen bei ihren diversen Öffentlichkeiten ausgezeichnet ankommen. Die Politiker brauchen das sogar noch ein bisschen mehr als die Manager. Wiederwahl und so. In meiner Heimat Österreich stehen im September Landtagswahlen in Oberösterreich und in Wien vermutlich an. Das sind für einen Stimmcoach und Sprachexperten immer sehr interessante Einsichten in das rhetorische und sonstige Auftrittsverhalten von Politikern.

Aber wir brauchen gar keine Wahlen um zu erkennen, dass gerade Manager betreffend ihre Kommunikation einiges von Politikern lernen können. Politiker sind geschult, das Wort zu ergreifen, wo es sich anbietet. Sie springen wie dressiert geradezu auf jede Gelegenheit auf, sich und ihre Meinung einzubringen. So werden sie natürlich gehört.

Führungskräfte hingegen sind darauf geschult, ihr Produkt und ihr Unternehmen nach vorne zu stellen, nicht sich selber. Das ist nicht immer vorteilhaft. Nur weil sie für gute Zahlen sorgen, wirken sie im Außen noch lange nicht sinnstiftend. Denn sie können als Repräsentant ihres Unternehmens nur dann wahrgenommen werden, wenn sie persönlich erlebbar sind. Das sind hochrangige Manager nicht immer. Sie verschanzen sich oft hinter diversen Hierarchien und Armadas von Pressemenschen.

Wenn Sie dann auf Bilanzpressekonferenzen oder Investor Relations Meetings erscheinen, ist ihr Auftritt nicht immer überzeugend. Sie präsentieren emotionslos Daten und Fakten und treten wieder ab. Was sie nicht können, ist in Bildern zu formulieren. Bilder, die beim Zuhörer Emotionen auslösen. Die meisten Politiker schütteln dieses rhetorische Bilder-Malen aus dem Handgelenk. Manager hingegen kommunizieren aus dem Nutzen heraus, das zieht nicht.

Politiker wiederum übertreiben es oft mit ihren Bildern, sie werden zu hemdsärmelig, direkt, populistisch und wirken dadurch leicht arrogant, von oben herab und im schlimmsten Falle belehrend. Solche scheinbar aus dem reinen Ego gestalteten Außenauftritte durchschauen die Wähler mehr und mehr.

Wenn nun die Politiker ein wenig zurückhaltender wären in Bezug des „Springens ins Rampenlicht“, mehr auf der Sachebene bleiben und Manager verstärkt nach vorne treten und sichtbarer und emotionaler werden, dann wäre meines Erachtens beiden Berufsgruppen sehr geholfen, eine ausgewogene und gerne gesehene Präsenz bei ihren Öffentlichkeiten zu erzielen.

Das können Manager von Politikern lernen:

  • Sie wissen um die Wichtigkeit von Auftritt, Stimme und Körpersprache und gehen dafür gezielt und oft ins Kommunikations-Training.
  • Dadurch haben sie immer die passenden Repliken bereit und kommen selten in Verlegenheit, kontern auch bei den unangenehmsten Fragen der Presse brillant.
  • Sie beherrschen das sogenannte Bridging aus dem ff und können elegant auf ihr Thema umleiten, egal, was die ursprüngliche Frage war.
  • Sie lassen sich durch Unterbrechungen und Zwischenfragen nicht aus dem Gleichgewicht bringen, sprechen einfach gelassen weiter.

Meine Empfehlung an alle Führungskräfte, die zu mir ins Coaching kommen ist: Seht Euch die oben genannten Punkte an und setzt sie um. Aber unterlasst die negativen Seiten der Politiker-Kommunikation, wie zu arg populistische Ansätze oder rhetorische Überzeichnungen, seid echt, bleibt bei Euch und lasst das Ego bei Euren Auftritten zu Hause.

Ihr
Arno Fischbacher