Artikel-Schlagworte: „Sprache“

Was wäre die Welt ohne Rhetorik?

Donnerstag, 18. August 2011

Ganz schön doppelbödig, diese Frage, nicht wahr? Um ein Haar hätte ich – aus dem allerersten Reflex heraus – auf diese Frage eines Forum-Teilnehmers auf LinkedIn ohne nachzudenken mit ins Loblied der Rhetorik eingestimmt. Dann aber hat sich in mir eine zweite Stimme gemeldet.

So sehr die rhetorischen Ausdrucksmittel wie unsere Sprache, die Stimme und die Körpersprache immer wieder Gutes tun und dem Besseren zum Durchbruch verhelfen, so sehr helfen dieselben Werkzeuge doch mancherorts auch, Konflikte zu verschärfen, Menschen gegeinander aufzuhetzen und unsägliche Gräuel anzurichten.

Es ist wohl wie bei vielen Lebensthemen: Letztlich offenbart sich auch in der Rhetorik die Geisteshaltung, das Menschenbild. Herzensbildung ist somit vielleicht die Königsdisziplin der rhetorischen Schulung.

Hauptwortgeröll im fusiformen Gyrus

Montag, 18. Oktober 2010

Blablabla-150x150 in Als Ă„rgernis ersten Grades empfinde ich, wenn mir bei Präsentationen immer wieder groĂźe Haufen unattraktiver Begriffe die Sicht auf Sinn und Botschaft verstellen. Kommen Ihnen Sätze wie dieser auch so vertraut vor: „Zum Thema Controlling ist zu sagen, dass die Aktualität der Daten fĂĽr Ihren Erfolg größte Bedeutung hat…“

Kann es Zufall sein, dass ungeĂĽbte oder auch gestresste Redner mit traumwandlerischer Sicherheit zu dieser schwer verdaulichen, da hauptwortlastigen Sprache finden?
Vor einiger Zeit fiel auf mir auf Pressetext eine Meldung der Fachzeitschrift „Neuroimage“ in die Hände. Deutsche und spanische Forscher hätten entdeckt, dass im menschlichen Gehirn Zeit- und Hauptworte getrennt in verschiedenen bereichen abgespeichert würden.

Schon lange weiß man, dass Babys Begreifbares zuerst benennen und somit aussprechen können – mit Verben kämpfen Kinder oft noch als Dreijährige. Und so entsteht meine These: Unter Stress greift das erwachsene Gehirn beim Sprechen zuerst auf die „älteren“ Einträge zurück. Das Ergebnis: Die Zuhörer werden mit schwer verarbeitbaren Hauptworten bombardiert.

Ist dieser Redestress unvermeidlich? In einem speziellem Sinne – ja. Sprechen vor Publikum setzt selbst routinierte Redner “unter Strom”. Der Anblick frontal sitzender und erwartungsvoll blickender Zuschauer löst im Gehirn uralte Notprogramme aus. Gegen diese Ăśbermacht ankämpfen? Unmöglich. Wo ist die TĂĽr? … Schon pocht das Herz, der Atem fliegt, der Schweiss bricht aus. “Du hast Dich nicht unter Kontrolle!”, funkt der Verstand. “Das sind doch nur Kollegen!”

Aber diese beschwichtigende Nachricht fällt selten auf fruchtbaren Boden. Das „System“ ist jetzt stärker als sonst mit sich selbst beschäftigt: Habe ich auch alle Fakten parat? Habe ich alle Erwartungen berĂĽcksichtigt? Weshalb ist meine Kehle trocken? Wohin mit den Händen? Klingt meine Stimme auch laut genug? Diese Irritation verleitet das Sprachzentrum rasch, auf „Sicheres“ zurĂĽckzugreifen. Sie ahnen es bereits, es sind die Hauptworte, die auch in Notfällen parat sind… – und schon hören die Teilnehmer, was sie befĂĽrchtet haben: Eine langweilige, weil schwer verständliche Präsentation, gespickt mit vielen Hauptworten und Nominalsätzen.

Was erlebt jetzt der Redner auf der BĂĽhne? Erraten. Die schlimmste aller BefĂĽrchtungen bewahrheitet sich: Das Publikum reagiert nicht! – Und das stresst erneut, ein Teufelskreis hat begonnen.

Der Ausweg? Meine Seminarteilnehmer kennen die wichtigsten mentalen Schlüssel zu Sicherheit und Souveränität. Haben Sie Lust auf Vertiefung und wertschätzendes Feedback? Für das Aufbauworkshop Ende November 2010 gibt es für Schnellentschlossene noch Zugang. Fragen Sie mich doch einfach. Meine Mailadresse ist: arno.fischbacher@stimme.at