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Archiv für die Kategorie „Hitliste der dümmsten Tipps“
Freitag, 29. März 2013

Vielleicht ist er ja einfach nur ein Nachhall vergangener Zeiten, dieser Tipp. Ich höre ihn immer wieder. Und er erinnert mich dann gleich an jene Zeiten, in denen das Aufrechtsitzen in der Schulbank noch die Betragen-Note beeinflusst hat. Und das man es am besten erreichte, indem man die Arme hinter die Rückenlehne streckte. Jene Zeiten, in denen beim Sportunterricht „Brust raus, Bauch rein!“ für den Aufmarsch in Reih und Glied sorgte.
Falsche Ratschläge halten sich oft erstaunlich lange. Auch dieser ist am Leben geblieben, auch wenn in der Schule längst ein anderer Umgangston herrscht. Dabei ist er so schädlich wie zu langes Strammstehen.
Was an Empfehlungen wie dieser fatal ist, wird rasch klar, wenn man die Funktionsweise der Stimme näher betrachtet. Der Stimmton kommt bekanntlich aus dem Kehlkopf. Dort schwingen die sensiblen Stimmlippen (was gut spüren kann, wer während des Sprechens seine Hand an den Hals legt). Und dort arbeitet eine ganze Reihe von kleinen feinen Muskelchen, zuständig für Tonhöhe und Klangfarbe.
Diese Stimm-Muskeln, sagt man bildlich, stehen „online“ mit hundert Muskeln im ganzen Körper, von Kopf bis Fuß. Wo immer im Körper es spannt, der Kehlkopf bekommt das mit – und schon klingt die Stimme anders. Das ist – nicht zuletzt – auch die Erklärung dafür, weshalb selbst die feinsten emotionalen Regungen immer so rasch in der Stimme hörbar werden, selbst wenn man das vermeiden will.
Prägen Sie sich den Merksatz ein: „Die Stimme ist der hörbare Teil der Körpersprache!“ Wie immer Sie stehen oder sitzen, so klingen Sie. Stimme ist Schwingung. Und was man festhält, kann nicht frei schwingen. Deshalb spannen Sie Ihre großen Gesäßmuskeln, wo immer Sie wollen. Aber nicht, wenn Sie beim Reden eine gute Figur machen wollen. Ihre Stimme wird es Ihnen danken.
Bildnachweis: “Nobby” Norbert Höller / pixelio.de
Schlagworte:Auftreten, Körpersprache, Präsenz, Stimmtipp Veröffentlicht in Hitliste der dümmsten Tipps | Keine Kommentare »
Montag, 24. September 2012
Wie bitte kann ich diese vielen „Ähhs“ und „Ähms“ vermeiden?! Klingt diese Frage vertraut in Ihren Ohren? Gehören Sie auch zu jenen bemitleidenswürdigen Geschöpfen, die in der Öffentlichkeit kaum zwei Sätze sagen können, ohne dazwischen jene nervenden Urlaute von sich zu geben?
 Bergé - fotolia.com
„Diskurspartikel“ nennt die Linguistik diese Fülllaute,  die das Zuhören ganz schön verderben können. Und die jene magische Macht besitzen, in kürzester Zeit alle Aufmerksamkeit vom Thema weg und hin auf sich zu lenken.
Kaum hat das Publikum oder Ihr Gesprächspartner Sie all häufigen Ähh-Sager identifiziert, wartet man förmlich auf das nächste Mal. Gespannt lauscht man und versucht zu unterscheiden: Ist dies eines dieser ganz kurzen, den Wort-Hänger überbrückenden „Ähhs“? Oder wird es gerade das gefürchtetste Exemplar, das langgezogene Nachdenk-„Ähh“?
„Sprich doch Deine Sätze einfach klar auf Punkt!“ höre ich manchmal als guten Rat. Und „Die Satzmelodie soll am Satzende nach unten gehen!“ oder „Stimme am Satzende absenken, Punkt!“
Klingt logisch, nicht wahr? Genau das ist das Tückische an solchen Empfehlungen. Sie sind aus der Perspektive des Beobachters formuliert. Sie beschreiben ein gewünschtes Resultat: „Es sollte besser so klingen und nicht so!“ Was nicht mitempfohlen wird, ist die Gebrauchsanleitung. Wie mache ich das, um nicht so, sonders besser zu wirken?
Im konkreten Fall gerät die Empfehlung oft zum Bumerang. Wer absichtsvoll seine Stimme am Satzende absenkt, ist mit sich selbst beschäftigt, „tut etwas“ mit seiner Stimme. Das klingt gewollt, künstlich, eingeübt. Die Zuhörer schätzen das gar nicht, denn sie bekommen mit: hier besteht gerade kein Kontakt zu mir als doch eigentlich adressierten Menschen.
Nur – was ist die Alternative? Ich empfehle: Stellen Sie öfters mal Fragen. Wann immer Sie etwas aussagen wollen, fragen Sie vorher danach.
Wie das geht? Ganz einfach: Stellen Sie vor Ihre Aussagen immer wieder solche Fragen, die Sie und Ihr Publikum leicht und logisch zu eben jenen Aussagen führen. Genießen Sie dabei die gestiegene Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer und Ihren „Ähh“-freien Redefluss.
Das ist alles? Ja, in der Tat. Denn „Ähhs“ entstehen und nerven immer nur dann, wenn Sie nicht mit uns, sondern allein mit sich selbst sprechen. Wenn Sie auf sich selbst bezogen sind, weil das Kontrollzentrum in Ihrem Gehirn zu Ihnen sagt: „Oh, der letzte Satz ist ja schon vorüber, jetzt musst Du was Neues sagen!“ und Sie in Ihrem Gedächtnis kramen.
Eins noch: Achten Sie auf die Pausen. Wenn ich von Fragen spreche, dann meine ich so richtig echte Fragen, die Ihr Publikum zum Denken anstacheln. Warten Sie auf die Reaktionen, bevor Sie weitersprechen. Genießen Sie den starken Kontakt, den Sie aufgebaut haben. Zu einem interessierten, angeregten, unterhaltenen Publikum.
Schlagworte:Diskurspartikel, Redefluss, Rhetorik Veröffentlicht in Hitliste der dümmsten Tipps, Rhetorik | 1 Kommentar »
Mittwoch, 21. März 2012
Wohin mit den Händen beim Präsentieren? Das ist wohl eine der meistgehörten Fragen, wenn es um den wirkungsvollen Auftritt geht. Irgendwie sind die im Wege, sobald man vor Menschen steht und spricht. Hängen so ungelenk an Schultern und Ellbogen. Stören irgendwie. Wohin also damit?
Jetzt beginnt das Problem. Denn besonders schlaue Zeitgenossen haben irgendwann die Mär in die Welt gebracht, die Zone unterhalb der Gürtellinie sei “pfui”. Also nur nicht mit den Händen dort herumwedeln, das verbreite schlechten Eindruck, heisst es.
Wohin aber sonst damit? Wo ist der Zaubertrick, der meine Hände einfach verschwinden lässt, sobald ich aufstehe, um nach vor zu gehen? Einfach vor den Oberkörper halten, heißt es dann. Ellbogen anwinkeln, Hände offen vor Brust oder Bauch. Und wenn das auch so ein komisches Gefühl entstehen lässt, die Hände ineinanderlegen. Offen natürlich, und locker. Oder gleich die “Merkel-Haltung” nutzen, Fingerspitzen aufeinander gepresst, als wollten Sie den Allmächtigen anrufen.
Was kommt dabei heraus? Sicher kennen Sie das Ergebnis solcher gut gemeinten, jedoch leider grundfalschen Ratschläge. Die Wirkung ist fatal. Denn allzu bewusst eingesetzte Gesten werden immer als unecht wahrgenommen. Als nicht authentisch. Als eingelernt. Und ganz und gar nicht als souverän.
Darum meine dringende Empfehlung: Verzichten Sie auf diese falschen Hilfen. Ihre Gesten entfalten sich ganz von alleine, wenn die Voraussetzungen dafür stimmen. Wenn Sie Ihren Standpunkt im Raum gefunden haben – durchaus wörtlich verstanden. Zwei Füße am Boden, gut geerdet: Da stehe ich, ich habe etwas zu sagen. Erlauben Sie sich vor ihrem ersten Wort diese Sekunde der inneren Sammlung. So entsteht Aufmerksamkeit. Und Sie werden bemerken, dass Ihre Schultern loslassen, Ihre Arme einfach locker nach unten sinken. Wunderbar. Jetzt strahlen Sie Sicherheit aus. Es ist offensichtlich – Sie haben etwas zu sagen.
Und dann geschieht das Magische. Das erste Wort setzt die Gesten in Gang. Wenn Sie impulsiv jemand ansprechen, setzt das Gehirn immer als allererstes den Rumpf, die Arme und Hände in Bewegung, dann erst folgt daraus der Ton der Stimme. Beobachten Sie das einfach mal im Alltag.
Wohin also mit den Händen beim Präsentieren? Standpunkt suchen, eine Sekunde innehalten und sich sammeln, spüren, dass die Schultern loslassen, dann erst loslegen. Und Ihre Hände tun, was sie nicht lassen können – sie gestikulieren. Ungezwungen, authentisch, natürlich.
Schlagworte:Körpersprache, Merkel-Haltung, Präsentieren, Prosodie, Sprachmelodie Veröffentlicht in Hitliste der dümmsten Tipps | 9 Kommentare »
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